150.000 Ersatzteile, 400 Autos, zwei Männer – und eine unbändige Leidenschaft für Young- und Oldtimer, Upcycling und Ressourcenschutz: Das ist Deutschlands 1. Oldtimer-Schrottplatz: Fischer Autoverwertung. Das Regiment führen hier Adrian Karl Fischer (der Juniorchef) und Seniorchef Karl Fischer. Retromanie hat die Beiden zu einem exklusiven Interview getroffen…
SJS Carstyling-Redaktion: „Vielen Dank zunächst einmal für eure Zeit. Ich muss bei euch immer als erstes an die Ludolfs denken – die vier TV-Schrottplatz-Brüder, deren Sendung bis heute absoluter Kult ist… Ihr seid zwar nur zu zweit, aber macht trotzdem jede Menge Furore, vor allem auf euren Social Media-Kanälen z.B. bei YouTube, Facebook und Instagram, wo euch Zehntausende Fans folgen. Seid ihr selbst auch Ludolfs-Fans?“
Adrian Fischer: „Die Ludolfs waren sicherlich unterhaltsam, aber für unseren Beruf eigentlich nie eine gute Werbung. So wie die Jungs kann man kein Geschäft betreiben. Bei uns lagern die Ersatzteile in Hochregalsystemen (pro Autotyp – z.B. Golf 1 – ein Regal), wo wir dann mittels QR-Code die richtigen Artikel finden können. In der Regel drehen die Kunden aber zunächst selbst eine Runde über den Schrottplatz und schauen, ob Sie bei den Schrottfahrzeugen direkt die benötigten Teile finden.“

Bildquelle: Fischer Autoverwertung
Autoverwertung seit drei Generationen in Familienhand
SJS Carstyling-Redaktion: „Euren Schrottplatz gibt es nun in dritter Generation. Bereits in den Fünfziger Jahren ging es los. Was denkt ihr, ist das Erfolgsrezept? Schließlich lassen sich doch Ersatzteile ganz einfach auch im Internet bestellen, zum Beispiel bei SJS Carstyling oder KFZBleche24.“ ^^
Adrian Fischer: „Wir haben uns bereits 2009 dazu entschieden, dass wir alte Klassiker aufheben möchte, alte Mercedes-Benz 190er etwa, oder BMW E34. Während der Zeit der Abwrackprämie haben wir 4.000 Autos verschrottet und nur die Fahrzeuge, die noch eine gute Basis hatten, behalten. Wir halten als einer von nur noch wenigen Schrottplätze gezielt Ersatzteile für Oldtimer vor. Das kommt auch gut an. Das merken wir. Die Leute kommen mit dem Werkzeugkasten, schrauben selbst die benötigten Teile ab und sagen, sie fühlen sich dabei wieder, als wären sie 30 Jahre alt. Es macht so einfach mehr Spaß, als Ersatzteile online zu bestellen – es ist eben ein richtiges Erlebnis.“

Blick ins prall gefüllte Lager mit Hunderttausenden Ersatzteilen. Bildquelle: Fischer Autoverwertung
Besonders gefragt: Innenraum- und Karosserieteile
SJS Carstyling-Redaktion: „Welche Teile werden denn am häufigsten nachgefragt?“
Adrian Fischer: „Das lässt sich schwer sagen, da ist eigentlich alles dabei. Im Fokus stehen bei uns jedoch Teile der Fahrzeuge aus den 1980ern und 1990ern, insbesondere Innenraum- oder Karosserieteile.“
SJS Carstyling-Redaktion: „In deinen Social Media-Videos sind man ja immer wieder absolut ausgefallene Fahrzeuge, die du mit „Schmackofatz“ oder „Leggomio“ besonders „adelst“ :-), was waren denn die heißesten Schlitten, die jemals auf den Hof vorgefahren sind?“
Adrian Fischer: „Jedes Auto hat seinen Charme. Und bei uns rollen regelmäßig so fantastische Fahrzeuge auf den Hof, dass er mir schwer fällt, mich für eines zu entscheiden. Zu den Highlights gehören sicherlich ein W201 als DTM-Wagen mit Straßenzulassung, aber auch ein Käfer Cabrio, ein Volkswagen Corrado oder ein Golf 2 in Rallye-Version haben es mir definitiv angetan. Genau, wie ja auch jeder Besitzer sein Fahrzeug liebt.“

Simca Aronde aus den 60ern. Einer von vielen Exoten auf dem Hof von Fischer. Bildquelle: brudertack69 – stock.adobe.com
Mit dem Fendt-Trecker von Nordfriesland ins Ländle
SJS Carstyling-Redaktion: „Mittlerweile ist ein richtiger Hype entstanden um die Fischer Autoverwertung, da kommen sogar Autofans aus den Staaten zu euch. Was war denn der „verrückteste“ Besucher, der jemals bei euch auf dem Schrottplatz erschienen ist?“
Adrian Fischer: „Das stimmt, wir haben auch Social Media-Stars hier öfters zu Besuch, zum Beispiel Jo Hannes Fiedler von der Männerhort Garage Leipzig oder Sascha vom Podcast „Maschinenhort“. Auch ein Fernsehproduzent von VOX war schon hier, der mit den „Autoschatzsuchern“ nach Afrika gereist war. Oder ein Kunde namens Hauke aus Nordfriesland, der zum 40. Geburtstag seines Fendt-Traktors 1.000 km quer durch die Republik tuckerte, bis zu uns zum Schrottplatz.“
SJS Carstyling-Redaktion: „Auf eurer Webseite unter Fischer-Autoverwertung.de gibt es nun auch einen Fanshop, hier gibt es die legendäre Autoverwertung-Cap zu erwerben, oder „Leggomio“-T-Shirts und Hoodies. Und auch einen Gutschein für „Fahrzeug Demolieren!“ Was hat es denn damit auf sich?“

Vater und Großvater Fischer mit einem 170er Mercedes, der heute noch im Geschäft steht. Bildquelle: Fischer Autoverwertung
Adrian Fischer: „Die Idee stammt von unserem Stammkunden und Autodesigner Christopher Reim. Das perfekte Event für den Junggesellenabschied für bis zu 10 Personen. Gestellt werden ein 30-Liter Fass Bier, ein paar Vorschlaghämmer und ein Grill – und natürlich ein Auto, das man dann entsprechend demolieren kann.“
Retro Classics und ein eigenes Oldtimertreffen
SJS Carstyling-Redaktion: „Habt ihr noch weitere Events geplant dieses Jahr und in Zukunft?“
Adrian Fischer: „Wir sind mit dabei bei der Retro Classics in Stuttgart und freuen uns schon sehr. Außerdem haben wir dieses Jahr noch ein Oldtimer-Treffen hier bei uns auf dem Platz mit 30-40 Fahrzeugen geplant, also seid gespannt.“
SJS Carstyling-Redaktion: „Ihr seid nicht nur ein gut sortierter Ersatzteil-Handel, sondern nehmt auch das Thema Ressourcenverwertung sehr ernst. Wertvolle Rohstoffe sollen in den Kreislauf zurückgeführt werden. Wie haben sich denn die verwendeten Materialien verändert im Lauf der Zeit? Waren die Werkstoffe von Young- oder Oldtimern wertvoller, oder solider (langlebiger) als die Teile moderner Fahrzeuge?“
Adrian Fischer: „Das kann man nicht so einfach sagen. Früher waren die Fahrzegue wertiger und stabiler gebaut, da wurde Echtholz verbaut, heute Holz-Imitat oder Kunststoffteile. Andererseits werden heute viel teurere Steuergeräte verbaut, größere Kabelstränge auch. Katalysatoren gab es früher auch nicht, die recht teuer sind. Dagegen Chrom-Stoßstangen oder Außenspiegel aus Aluguss. Was Ersatzteile angeht, da ist ein Oldtimer heutzutage aber im Unterhalt auf jeden Fall immer günstiger, was zum Beispiel Scheinwerfer angeht.“
SJS Carstyling-Redaktion: „Aus deiner Erfahrung, welche Teile von Young- und Oldtimer-Marken sind denn besonders solide, und welche eher nicht?“
Adrian Fischer: „Von den Motoren her Mercedes-Benz oder Volkswagen. Karosserietechnisch rosten ALLE Marken. Volvo sind sehr gute Fahrzeuge, was Karosse, Motor und Technik angeht. Aber generell hat da auch jeder andere Erfahrungswerte oder andere Meinungen. Selbst ein Trabi rostet hinter der Plaste. Prinzipiell kann man sagen, dass Mittel- und vor allem Oberklasse-Autos aus den 80ern und 90ern durch die Bank gut sind. Die Schrauben waren damals solider als heute. Heute reißen die einfach, wenn man sie aufdrehen möchte. Das war früher undenkbar.“

Die Borgward Isabella. Darauf fährt Adrian Fischer privat voll ab. Bildquelle: hanseat – stock.adobe.com
Adrians Lieblingsfahrzeug: Borgward Isabella TS Coupé
SJS Carstyling-Redaktion: „Was sind die teuersten Teile an so einem alten Fahrzeug?“
Adrian Fischer: „Heutzutage Steuergeräte, früher Zylinderköpfe oder Kotflügel, Krümmer oder Dachhimmel sind auch kostspielig. Das kommt aber auch immer auf das konkrete Fahrzeug an. Das teuerste Ersatzteil ist und bleibt der Motor.“
SJS Carstyling-Redaktion: „Und was sind die Lieblingsfahrzeuge von deinem Vater und von dir?“
Adrian Fischer: „Bei mir: Borgward Isabella TS Coupé. Mein Vater ist großer Mercedes-Benz-Fan. Sein Favorit ist der 116er von meinem Großvater, ein 280er SE.“

Der Schrottplatz aus der Vogelperspektive. Bildquelle: Fischer Autoverwertung
Lust bekommen, auf Deutschlands 1. Oldtimer-Schrottplatz vorbeizuschauen? Dann nichts wie los nach Deggingen – im Landkreis Göppingen in der Nähe von Stuttgart (Baden-Württemberg). Mercedes-Benz, BMW und Volkswagen sind häufig vertreten. Zu sehen sind auch skurille Fahrzeuge wie ein Baja Bug, Volkswagen Kübel (Typ 181), ein Mercedes-Benz 170er, Goggomobil Coupé, oder ein BMW E9 3,0 CSL. Geöffnet ist die Fischer Autoverwertung in der Regel täglich von Montag bis Samstag ab 8 Uhr.
Bildquelle Titelbild: Fischer Autoverwertung

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