Ikonische Automarken-Logos gibt es viele. Der berühmte dreizackige Mercedes-Stern, das springende Ferrari-Pferd („Cavallino Rampante“) oder die ineinander verschlungenen Buchstaben V und W bei den Wolfsburger Autobauern. Bei Audi ist aber alles ein bisschen spezieller, denn die vier ineinandergreifenden Ringe erzählen die Geschichte von vier eigenständigen Automobilherstellern – und noch einiges mehr, das wir uns in diesem neuen Beitrag auf Retromanie etwas genauer anschauen wollen. Auch dieses Mal gilt: Viel Spaß beim Lesen und Entdecken!

Der Autofabrikant August Horch mit kleinem Beifahrer in einem Typ 11/22 PS.
Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 183-T1129-501 / CC-BY-SA 3.0 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-T1129-501,_August_Horch_in_Horch-PKW.jpg), „Bundesarchiv Bild 183-T1129-501, August Horch in Horch-PKW“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode
1. Zwei Marken, ein Gründer: August Horch
- Zurück geht Audi auf August Horch (1868 – 1951), ein deutscher Automobilpionier, der für viele Innovationen im Fahrzeugbau verantwortlich ist (Kardanantrieb, stoßfreier Motor, Leichtbauweise, Linkslenkung). Die ersten Horch-Fahrzeuge baut seine in Köln gegründete Firma Horch & Cie., die er aber 1909 im Streit verlässt.
- In Zwickau (Sachsen) gründet er daraufhin im Jahr 1909 die August Horch Automobilwerke GmbH.
- Da es zu einem Rechtsstreit um die Namensrechte mit der ersten Firma kommt, benennt Horch die Nachfolgerfirma in Audi um („Audi!“ ist die Übersetzung von „Horch!“ ins Lateinische).
- Im Jahr 1910 wird das erste Automobil unter dem Namen Audi ausgeliefert, der Audi Typ A mit anfangs 22 PS.
Führerschein wird überbewertet: Wie auch Felix Wankel (der Erfinder des Wankelmotors), besaß August Horch nie einen Führerschein. Hier geht’s direkt zu unserem Beitrag zum Ro 80.
2. Vier Rettungsringe: Die Geburt der Auto Union
- Ende der 1920er-Jahre gerät (nicht nur) die deutsche Autoindustrie durch die Weltwirtschaftskrise in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten.
- Vier sächsische Automobilhersteller sind besonders betroffen. Sie beschließen im Juni 1932, sich zur Auto Union AG zu vereinigen.
- Die beteiligten Marken sind Audi, DKW, Horch und Wanderer.
- Forciert wurde der Zusammenschluss u.a. von der Sächsischen Staatsbank, die bereits erhebliche finanzielle Interessen an den Unternehmen besaß.
- Der Konzernsitz ist in Chemnitz; die Verwaltung befindet sich zunächst in Zschopau.
- Neues Markenzeichen sind die vier miteinander verbundene Ringe als Symbol des Zusammenschlusses.
- Auto Union wird zum zweitgrößten deutschen Kraftfahrzeugkonzern (nach Opel).
- Das Kuriose: Ausgerechnet die beiden von August Horch gegründeten Marken finden 1932 unter dem Dach der Auto Union wieder zusammen.

Bildquelle: KI-generiertes / verändertes Bild, erstellt mit OpenAI ChatGPT / DALL-E für Retromanie.
3. Jeder Ring stand für eine andere Fahrzeugwelt
- DKW: Motorräder und Kleinwagen, Schwerpunkt auf bezahlbarer Mobilität und Zweitaktmotoren.
- Wanderer: Mittelklassewagen, solide Alltagsautos, daneben sportliche Modelle.
- Audi: Gehobene Mittelklasse, technische Innovationen, beispielsweise der Audi Front mit Vorderradantrieb ab 1933.
- Horch: Luxus- und Oberklasse, große, aufwändig ausgestattete Automobile für wohlhabende Kunden.
- Bewusste Aufteilung der Marktsegmente zur Vermeidung konzerninterner Konkurrenz.
- Gemeinsame Nutzung von Technik und Produktionskapazitäten.
- Beispiel: Audi Front UW mit Wanderer-Motor, konstruiert von Ferdinand Porsche und gebaut im Horch-Werk in Zwickau.
- Die vier Markennamen blieben trotz der Fusion zunächst erhalten.
Lust auf Museum? Wo Audi und Horch einst ihre Wurzeln schlugen, lässt sich heute sächsische Automobilgeschichte entdecken. Das August Horch Museum in Zwickau zeigt historische Fahrzeuge, spannende Technik und die Entwicklung traditionsreicher Marken wie Audi, Horch, DKW und Trabant.
4. Die weitere Chronik: Daimler-Benz besaß eine zeitlang Audi
- 1934: Erster großer Auftritt der Auto-Union-Silberpfeile im Motorsport.
- Die Rennwagen mit von Ferdinand Porsche entwickeltem V16-Mittelmotor-Konzept lieferten sich erbitterte Duelle mit den Silberpfeilen von Mercedes-Benz.
- Berühmte Fahrer: Hans Stuck, Bernd Rosemeyer, Achille Varzi und Tazio Nuvolari.
- 1937: Bernd Rosemeyer erreicht mit einem Auto-Union-Rekordwagen auf einer öffentlichen Autobahn über 400 km/h.
- Nach 1945: Enteignung und Demontage wichtiger Auto-Union-Produktionsanlagen in Sachsen.
- 1949: Nach dem Zweiten Weltkrieg Neugründung der Auto Union GmbH in Ingolstadt.
- Zunächst vor allem DKW-Motorräder und -Automobile.
- 1958: Daimler-Benz übernimmt die Mehrheit an der Auto Union; 1959 vollständige Übernahme.
- 1964/1965: Übergang in den Volkswagen-Konzern.
- 1965: Wiederbelebung des Markennamens Audi mit dem ersten Nachkriegs-Audi und einem Viertaktmotor.
- 1969: Zusammenschluss mit NSU zur Audi NSU Auto Union AG.
- 1985: Umbenennung in Audi AG – der Name und die Ringe sind bis heute aktuell.
Als der Käfer nicht mehr laufen durfte: Volkswagen übernahm die Auto Union Mitte der 60er Jahre, weil die Wolfsburger dringend Bedarf an modernen Technologien hatten (Frontantrieb und wassergekühlte Viertaktmotoren).

Auto Union Typ D, Grand-Prix-Rennwagen von 1939 mit Doppelkompressor-V12-Motor,
3 Liter Hubraum und 485 PS. Bildquelle: Spurzem – Lothar Spurzem (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Auto_Union,_Typ_D_(1979-08-10).jpg), „Auto Union, Typ D (1979-08-10)“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/legalcode
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