Der Audi quattro: Mit Allradantrieb zur Unsterblichkeit

von | Nov. 2, 2026 | Oldtimer Portraits | 0 Kommentare

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Im März 1980 beginnt für Audi eine neue Ära: die quattro-Ära, die den Erfolg und das Image der Ingolstädter Marke entscheidend prägen sollte. Mit dem Audi quattro (heute als Ur-quattro bekannt) macht Audi den permanenten Allradantrieb für sportliche Straßenfahrzeuge populär und legt den Grundstein für eines seiner bekanntesten Markenzeichen.

Das Coupé führt der Welt vor Augen, welches Potenzial in der Kombination aus Allrad und Turbomotor steckt. Besonders auf Schnee, bei Nässe und besonders eindrucksvoll im Rallyesport. Die Technik findet anschließend auch in Audi-Limousinen und vielen weiteren Baureihen ihren Platz. Wir präsentieren Ihnen in diesem Beitrag sieben spannende Fun Facts rund um den Audi quattro, die Sie vielleicht noch nicht wussten. Viel Spaß beim Entdecken!

Audi Quattro, der Urquattro (8)

Ein VW Iltis-Geländewagen aus dem Jahr 1982. Bildquelle: Stahlkocher (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:VW_Iltis_green_1982_vr_TCE.jpg), „VW Iltis green 1982 vr TCE“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

1. Inspiriert von einem Iltis

Bei Wintertests im Jahr 1977 machte ausgerechnet ein unscheinbarer VW Iltis den Audi-Testwagen das Leben schwer. Der Geländewagen (der auch oft bei der Bundeswehr eingesetzt wurde) hatte nur 75 PS, war auf Schnee und Eis dank seines Allradantriebs aber deutlich im Vorteil. Versuchsleiter Jörg Bensinger erkannte das Potenzial. Die zentrale Überlegung: Was wäre, wenn man diese Traktion mit einem leistungsstarken Pkw kombinieren würde?

Bensinger überzeugte den damaligen Audi-Entwicklungschef Ferdinand Piëch, das Konzept auf einen sportlichen Pkw zu übertragen. So entstand ein Prototyp auf Audi-80-Basis mit Fünfzylinder-Turbomotor und Allradantrieb. Im Januar 1978 bewältigte er die verschneite Turracher Höhe (Österreich) auf Sommerreifen und ohne Schneeketten. Eine eindrucksvolle Demonstration für die Konzernführung. Gut zwei Jahre später feierte der Audi quattro seine Premiere.

Audi Quattro, der Urquattro (9)

Der härteste Widersacher auf der Rallye-Piste: Lancia Delta S4. Bildquelle: Thesupermat (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rétromobile_2017_-_Lancia_Delta_S4_-_circa_1986_-_001.jpg), „Rétromobile 2017 – Lancia Delta S4 – circa 1986 – 001“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode

Was kostet ein Ur-quattro heute?
Der Ur-quattro ist längst ein begehrter Klassiker: Classic-Analytics nennt im Preisführer 2025/26 rund 69.000 Euro für frühe Modelle in gutem Zustand, beim späteren 20V etwa 85.000 Euro. Zustand, Originalität und Historie beeinflussen den tatsächlichen Preis erheblich.

2. Zu gefährlich für die Rallye-Welt

Überflieger Walter Röhrl, gewaltige Spoiler, atemberaubender Speed und der fauchende Fünfzylinder unter der Haube. Der Audi quattro war ein Monster und gehört bis heute zu den großen Ikonen des Rallyesports. Ab 1981 zeigte er, wie überlegen Allradantrieb auf Schnee und Schotter sein konnte. Audi gewann 1982 und 1984 die Hersteller-WM, Hannu Mikkola wurde 1983 Fahrerweltmeister, Stig Blomqvist 1984. Aus dem ursprünglichen quattro entwickelten sich immer extremere Wettbewerbsautos.

Der Höhepunkt: Der spektakuläre Sport quattro S1 E2, mit dem Walter Röhrl und Beifahrer Christian Geistdörfer 1985 die Rallye Sanremo gewannen. Dabei traf der Ur-Quattro in der sogenannten Gruppe B auf Rivalen wie den Lancia 037, den Peugeot 205 T16 und später den Lancia Delta S4. Aufgrund mehrerer tödlicher Unfälle wurde die Fahrzeugklasse später verboten.

3. Ein Hauch von K.I.T.T. im Cockpit

Wer in einen entsprechend ausgestatteten Ur-quattro von 1983 stieg, bekam damals bereits eine kleinen Vorgeschmack auf die digitale Zukunft. Grüne Digitalanzeigen ersetzten die klassischen Rundinstrumente, und der Bordcomputer (Digifiz) konnte Warnmeldungen tatsächlich aussprechen. Mit  charmanten Ansagen wie „Bitte tanken“ oder „Bitte Licht ausschalten“ (siehe Video oben) erinnerte das Auto seine Fahrer an wichtige Handgriffe.

Die deutsche Stimme stammte von Patrizia Lipp, einer Sprecherin des Bayerischen Rundfunks. Eine Sprachsteuerung, mit der man sich unterhalten konnte, war das natürlich noch nicht. Aber immerhin ein Auto, das selbst das Wort ergriff. Und das hatte in den 80ern ordentlich Science-Fiction-Charme.

Audi Quattro, der Urquattro - 3

Einzelstück: Audi Quattro Quarz aus dem Jahr 1981. Bildquelle: Buch-t (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Audi_Quartz_1981_(2).JPG), „Audi Quartz 1981 (2)“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Schon vor dem Audi quattro gab es Pkw mit Allradantrieb: den britischen Jensen FF ab 1966, den Subaru Leone 4WD als Kombi ab 1972 und den AMC Eagle ab 1979.

4. Wenn die Italiener Hand anlegen

Nur ein Jahr nach der Vorstellung des Ur-quattro zeigte Pininfarina 1981 eine ganz eigene Interpretation: den Audi Quartz- eine aufsehenerregende Designstudie. Unter der futuristischen Karosserie steckte die technische Basis des quattro. Anlass für das Projekt war das 75-jährige Jubiläum der Schweizer Zeitschrift  „Automobil Revue“, also ein ziemlich außergewöhnliches Geburtstagsgeschenk.

Besonders auffällig waren die kleinen Scheinwerfer und eine markante Karosseriesicke, in der sich die Luftöffnungen versteckten. Die neue Karosserie war rund 30 Zentimeter kürzer als die des Ur-quattro. Trotzdem blieben hinten Platz für Mitreisende und ein Kofferraum. Auch das Cockpit wurde neu gestaltet, wobei die Instrumente des Serienmodells erhalten blieben. Die ganze Geschichte zur Design-Schmiede Pininfarina gibt es übrigens hier zu lesen.

5. Vom eigenen Erfolg überrascht

Heute gehört der Ur-quattro zu den bekanntesten Modellen der Marke. Anfangs war allerdings eine ziemlich überschaubare Stückzahl vorgesehen: gerade einmal 400 Exemplare. Am Ende wurden zwischen 1980 und 1991 insgesamt 11.452 Fahrzeuge gebaut, also fast 29-mal so viele wie ursprünglich geplant. Aus dem kleinen Produktionsvorhaben wurde damit ein Modell, das Audi über ein Jahrzehnt begleitete.

Bleibt die Frage, wie viele Exemplare es heute noch gibt. Eine gesicherte weltweite Reststückzahl lässt sich nicht nennen. In Deutschland weist eine Auswertung der KBA-Zahlen zum 1. Januar 2026 insgesamt 671 zugelassene Ur-quattro unter den aufgeführten Typschlüsselnummern aus. Stillgelegte Fahrzeuge sind darin nicht enthalten, der erhaltene Bestand ist also höchstwahrscheinlich größer.

Der quattro als Serienstar: In der britischen Krimiserie „Ashes to Ashes – Zurück in die 80er“ fährt Ermittler Gene Hunt einen roten Audi quattro von 1983. Die zwischen 2008 und 2010 ausgestrahlte Serie machte das kantige Coupé zu einem ihrer Markenzeichen, inklusive Verfolgungsjagden und reichlich Achtzigerjahre-Flair.

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Blick in den Motorraum eines Audi quattro 20V. Bildquelle: The Car Spy (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1990_Audi_Quattro_20V_-_Flickr_-_The_Car_Spy_(23).jpg), „1990 Audi Quattro 20V – Flickr – The Car Spy (23)“, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode

6. Carat statt Quattro?

Bevor der Name quattro feststand, war auch die Bezeichung „Carat“ im Gespräch. Der Name leitete sich von „Coupé All-Wheel-Drive Turbo“ ab und sollte damit die wichtigsten Eigenschaften des Autos zusammenfassen. Durchgesetzt hat sich schließlich „quattro“, das italienische Wort für „vier“. Rückblickend wohl die richtige Entscheidung: Der Name wurde weit über das ursprüngliche Modell hinaus zum Synonym für Audis Allradantrieb.

In der Kürze lag die Würze: Der Ur-quattro bekam 1983 einen besonders wilden Verwandten: den Audi Sport quattro, besser bekannt als „der Kurze“. Für mehr Wendigkeit auf Rallyestrecken verkürzte Audi den Radstand um satte 32 Zentimeter. Schon die Straßenversion leistete 306 PS und kostete bei ihrer Markteinführung 195.000 D-Mark. Gebaut wurden nur 214 Exemplare.

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Audi Quattro A2 Rallye aus dem Jahr 1984. Bildquelle: Mathias Weil – stock.adobe.com

7. Preislich auf Augenhöhe mit dem 911er

Der Ur-quattro kostete bei seiner Markteinführung 1980 49.900 D-Mark. Für exakt denselben Grundpreis bot Porsche damals den 911 SC an. Das macht ziemlich anschaulich, in welchen hochgelegenen Dimensionen des Automarktes Audi sein neues Coupé positionierte: Der quattro war eine ernsthafte und entsprechend teure Sportwagen-Alternative. Käufer bekamen dafür eine damals außergewöhnliche Kombination aus Fünfzylinder-Turbomotor und permanentem Allradantrieb.

Die Entscheidung zwischen Audi und Porsche war damit schon 1980 eine Frage des persönlichen Geschmacks und des bevorzugten Antriebskonzepts.

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