Verschwunden, aber nicht vergessen. Echte Oldtimer-Fans wissen nur zu gut, wie man einen Choke bedient. Zeit, die Geschichte der Technologie bei Retromanie etwas genauer zu betrachten. Der Choke ist eine Kaltstarteinrichtung bei Vergasermotoren. Weil Benzin bei niedrigen Temperaturen schlechter verdampft und sich an den kalten Wänden des Ansaugtrakts niederschlägt, braucht ein kalter Ottomotor zum Starten ein kraftstoffreicheres Gemisch.
Beim klassischen Choke wird die Luftzufuhr über eine Starterklappe reduziert. Weniger Luft bei gleichbleibender Kraftstoffmenge macht das Gemisch „fetter“. Andere Systeme setzen stattdessen auf einen eigenen Startvergaser oder einen zusätzlichen Kraftstoffkanal. Diese einfache, aber wirkungsvolle Technik prägte jahrzehntelang den Alltag von Autofahrern – und ihre Geschichte beginnt mit den ersten Vergasermotoren.

Schaubild mit Hilfe künstlicher Intelligenz generiert.
Woher stammt der Name Choke beim Automobil?
Der Name „Choke“ stammt vom englischen Verb „to choke“, also „würgen“, „drosseln“ oder „abschnüren“. Genau das passiert beim Vergaser: Die Choke-Klappe drosselt die Luftzufuhr, wodurch das Kraftstoff-Luft-Gemisch fetter wird und ein kalter Motor leichter startet.
Anfang des 20. Jahrhunderts: Kaltstart ist echte Arbeit
Als ab 1908 das Ford Model T vom Band rollte, lebte mit seinem Ottomotor eine wichtige Frage auf: Wie bekommt man einen eiskalten Vergasermotor dazu, ein zündfähiges Gemisch zu bilden? Die Antwort: Für den Kaltstart musste das Gemisch angefettet und ein sogenannter Priming Rod betätigt werden. Dieses Startprozedere funktionierte, war aber noch weit vom heutigen „Schlüssel drehen und losfahren“ entfernt. Während die ersten Fahrzeuge von 1908 noch ohne Starterklappe auskamen, wurden ab etwa 1910 Vergaser mit Choke verbaut. 1932 folgte bei Oldsmobile bereits ein früher automatischer Choke.

Ein Ford Model T aus dem Jahr 1926. Bildquelle: sue – stock.adobe.com
1920er und 1930er: Der Choke wird zum normalen Bedienelement
Beim Ford Model A (1928 bis 1931) fand sich bereits das Prinzip, das für spätere Generationen von Autofahrern selbstverständlich war. Bei kaltem Motor wurde ein Zug betätigt, um das Gemisch anzureichern. Der Fahrer musste allerdings wissen, was er tat. Denn Ford warnte sogar davor, mit einem dauerhaft angereicherten Gemisch weiterzufahren. Lag die Umgebungstemperatur unter 15 Grad Celsius, gehörte das Ziehen des Chokes bei vielen heutigen Oldtimern zum Startprozedere.
1950er bis 1970er: Die Hochphase des manuellen Chokes
Mit der Massenmotorisierung wurde der Choke alltäglich und fand sich meist als kleiner Knopf oder Hebel im Cockpit. Autofahrer brauchten für das typische Ritual etwas Fingerspitzengefühl. Sie zogen den Choke, starteten den Motor und nahmen den Choke abhängig von der Außentemperatur wieder langsam zurück. Hatte sich der Motor erwärmt, ließ sich der Choke ganz zurücknehmen.

Manueller Choke eines Hyundai Excel GL Bj. 1989 – Bildquelle: SealyPhoto (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1989_Hyundai_Excel_GL_Manual_Choke.jpg), „1989 Hyundai Excel GL Manual Choke“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode
1960er- und 1970er-Jahre: Der Choke macht sich selbstständig
Ab den 1960ern erschienen neben klassischen Chokes immer häufiger automatische Varianten. Oft arbeitete eine Bimetallfeder temperaturabhängig und öffnete die Starterklappe mit zunehmender Erwärmung des Motors. Teilweise wurde das System zusätzlich elektrisch beheizt.
Ein gutes Beispiel ist der VW Käfer: Während ein Choke häufig pauschal mit alten VW Käfern verbunden wird, hatten zahlreiche Motoren späterer Modelle bereits eine automatische beziehungsweise elektrisch beheizte Startautomatik.
1980er und 1990er: Elektronische Einspritzung verdrängt den Choke
Mit der elektronischen Benzineinspritzung wurde der klassische Choke zunehmend überflüssig. Ab den 80er- und 90er-Jahren erfassten Sensoren unter anderem die Temperatur von Motor- und Ansaugluft. Das Steuergerät spritzte beim Kaltstart automatisch mehr Kraftstoff ein.
Bis heute hat sich die elektronische Kraftstoffeinspritzung weiterentwickelt. Die Funktion des Chokes blieb dabei erhalten – allerdings muss der Fahrer davon nichts mehr verstehen. Das Prinzip der Kaltstartanreicherung ist also geblieben, nur der Choke-Knopf ist verschwunden.

Ein Solex-Vergaser, wie er im VW Bulli oder Käfer zu finden war – Bildquelle: Bukk (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:SOLEX-Vergaser_mit_Startautomatik.JPG), „SOLEX-Vergaser mit Startautomatik“, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons: https://commons.wikimedia.org/wiki/Template:PD-self
Bekannte Autos mit Choke
- Ford Model T: frühe Form der Kaltstart-Anreicherung mit Priming-Betätigung
- Ford Model A: Choke-Zug zur Anreicherung beim Kaltstart
- Fiat 500: manuell betätigte Kaltstarteinrichtung per Hebel
- Citroën 2CV: klassischer Choke für den Kaltstart
- Austin/Morris Mini: bei vielen Vergaserversionen manueller Choke
- Trabant 601: manuell betätigte Kaltstarteinrichtung (Startvergaser)
Choke beim Fiat Panda: Der Ur-Panda machte den Kaltstart noch zur Handarbeit. Beim Panda 30 und vielen weiteren Vergasermodellen musste der Fahrer den Choke selbst ziehen und nach dem Start langsam zurücknehmen. Eine interessante Ausnahme bildete der frühe Panda 4×4: Sein Weber-Vergaser besaß bereits eine halbautomatische Choke-Regelung.

Choke gezogen, und der Motor läuft – Bildquelle: marcovarro – stock.adobe.com
Zu guter Letzt: 10 interessante Fakten zum Choke
- Nicht jeder Choke ist technisch wirklich ein Choke. Während der klassische Choke die Luftzufuhr drosselt, verwenden manche Motoren einen Startvergaser oder einen Enrichment Circuit, der zusätzlichen Kraftstoff bereitstellt.
- Ein vergessener Choke konnte teuer werden. Blieb er zu lange gezogen, lief der Motor dauerhaft zu fett. Die Folgen waren ein höherer Verbrauch, schlechte Gasannahme, verrußte Zündkerzen und erhöhte Abgaswerte.
- Ein warmer Motor konnte den Choke nicht leiden. Wurde ein betriebswarmer Motor mit gezogenem Choke gestartet, konnte der Motor ertrinken.
- „Halber Choke“ ergab wirklich einen Sinn. Der Choke war häufig nicht einfach nur an oder aus. Beim Warmlaufen wurde er Stück für Stück zurückgenommen. So konnte der Fahrer die Gemischanreicherung an die Temperatur des Motors anpassen.
- Die Choke-Bedienung war eine kleine Wissenschaft. Bei manchen Oldtimern musste der Fahrer den Choke ziehen, aber kein Gas geben. Bei anderen Wagen sollte der Fahrer gleichzeitig oder unmittelbar danach leicht aufs Gaspedal treten. Wer sein Auto kannte, entwickelte seine ganz eigene Startprozedur.
- Beim Trabant konnte der Choke für besonders schlechte Luft sorgen. Wurde die Anreicherung nach dem Warmfahren nicht zurückgenommen, stieg die Abgasbelastung erheblich.
- Das Ford Model T machte den Kaltstart zur Zeremonie. Gemisch einstellen, Priming Rod betätigen, gegebenenfalls kurbeln, Zündung einstellen, Gashebel positionieren. Verglichen damit ist selbst ein manueller Choke der 1970er-Jahre schon Luxus.
- Dieselmotoren brauchen keinen klassischen Choke. Ein Diesel bildet sein Gemisch völlig anders und arbeitet mit Selbstzündung. Für kalte Temperaturen gibt es stattdessen Glühkerzen oder Vorglüheinrichtungen.
- Der Choke ist nicht ausgestorben. Bei Autos ist er praktisch verschwunden, aber bei Motorrädern, älteren Rollern, Rasenmähern, Motorsägen, Generatoren oder Außenbordmotoren begegnen Sie manuellen Kaltstarteinrichtungen bis heute.
- Vergaser haben heute einen unsichtbaren Choke. Auch ein moderner Benziner braucht beim Kaltstart eine fettere Gemischaufbereitung. Die Elektronik übernimmt diese Anreicherung automatisch anhand verschiedener Sensordaten. Als Fahrer bemerken Sie nur noch die etwas höhere Leerlaufdrehzahl unmittelbar nach dem Start.

Schaubild mit Hilfe künstlicher Intelligenz generiert.
Schon gewusst? Auf unserem exklusiven Oldtimerblog lesen Sie jede Woche neue Themen aus der Youngtimer- und Oldtimerszene – von der Oldtimer Tankstelle in Hamburg über die italienische Design-Ikone Pininfarina bis hin zu den wichtigsten Motorbauformen. Im Onlineshop von SJS-Carstyling finden Sie zudem (fast) alles, was Sie für die Oldtimerpflege benötigen.
Bildquelle Titelbild: mit Hilfe von künstlicher Intelligenz generiert

0 Kommentare