Für uns hier bei SJS Carstyling sind Autos weit mehr als unpersönliche Blechkisten. Es sind echte Familienmitglieder, die wir über die Jahrzehnte hinweg pflegen, reparieren, lieben und ggf. weitervererben. Und mit denen wir jede Menge Abenteuer erleben. Schließlich machen Autos das Leben doch erst richtig lebenswert, oder? Höchste Zeit für eine neuen Beitrag aus unserer Rubrik „Persönliche Autogeschichten“.
Dieses Mal verschlägt es uns in den hohen Norden, zu Franziska Land. Die in Ost-Berlin geborene, gelernte Kartografin siedelte 2008 nach Dänemark über und begann ein neues Leben als technische Assistentin in einer Schule in Skive. Sie nahm die dänische Staatsbürgerschaft an und lebt nun mit ihrem Mann Torsten in einem kleinen Haus in einer beschaulichen skandinavischen Gegend. Ihre Liebe zum Automobil – und ihre Abenteuerlust – sind jedoch bis heute geblieben… Kleiner Hinweis: Originale Fotos sind leider nur noch wenige vorhanden, also mussten wir uns mit ähnlichen Fahrzeugfotos aus Bilddatenbanken helfen. Wir bitten um Verständnis. Die Geschichten sind jedoch umso unterhaltsamer. Versprochen…

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Erstes Auto: Lada mit Porsche-Motor
- Fahrzeug: Lada Samara
- Von wann bis wann gefahren: 1993 bis 1994
- Das Verrückte daran: Franziskas erstes Auto teilte sie sich mit ihrem damaligen Lebensgefährten. Der Clou des Samara: Hilfe bei der Entwicklung des Motors gab niemand Geringeres als die Porsche-Ingenieure aus Weissach. Die Sportwagen-Profis halfen bei der Optimierung der wassergekühlten Vierzylinder-Reihenmotoren und der Konstruktion des 5-Gang-Getriebes. Beim Design orientierte man sich eher an westlichen, kantigen Formen à la Giugiaro. Porsche-Motor hin oder her, nach Trennung von ihrem damaligen Mann musste sich Franziska zwangsläufig auch vom Lada trennen.

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Endlich frei: Mit dem Trabant durch Europa
- Fahrzeug: Trabant 601 S Universal deluxe 12 V, Baujahr 1987
- Von wann bis wann gefahren: 1993 bis 1997
- Das Verrückte daran: In der Großstadt Berlin war für Franziska eigentlich kein Auto nötig. Bis sie ihn eines Tages zum Verkauf stehen sah. Einen Trabant 601 S Universal deluxe 12 V. An der Jannowitzbrücke in Ost-Berlin, praktischerweise hatte die junge Frau gerade einen gedeckten Scheck in der Tasche, 500 DM war das Schmuckstück teuer und sie nahm den Trabi sofort mit. Verkauft wurde er von einem Ingenieur, der ihn bestens gehegt und gepflegt hatte. Franziska fackelte nicht lange: Hinten kam eine Matratze rein, dann schnappte sie sich ihre Tochter (damals 13 Jahre jung) und mit Kind und Kegel ging es einmal quer durch Europa. Alle Urlaube, freien Tage und Wochenenden tourten Mutter und Tochter durch die Lande. Benelux, Frankreich, Tschechien, Polen. Insgesamt 150.000 Kilometer in vier Jahren. Nur einmal blieben sie liegen, praktischerweise direkt in Berlin, da war das Abschleppen kein Problem. Außer einer defekten Heizung ließ der Trabi sie nie im Stich. Allerdings gingen auch insgesamt drei Motoren drauf. Besondere Erlebnisse: In Maastricht auf einem viereckigen Marktplatz, sprang plötzlich ein Trabi-Fanatiker vor die Pappe, und wollte ihr das Schätzchen an Ort und Stelle abkaufen, um ein Solarauto draus zu machen. Franziska erteilte dem potenziellen Käufe eine Absage. Und auch in Waterloo (Belgien) war ein anderer Passant dermaßen scharf auf eine Fahrt im Ossi-Stolz, dass Franziska ihn kurzerhand eine Runde drehen ließ. Dabei blieb sie allerdings auf dem Beifahrersitz sitzen. Frau weiß ja nie..

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Testwagen von Stiftung Warentest: Toyota Corolla
- Fahrzeug: Toyota Corolla 1.3 Compact Hatch 12 V, E9, Baujahr 1987
- Von wann bis wann gefahren: 1997 bis 2007
- Das Verrückte daran: Ende der 90er Jahre arbeitete Franziska im selben Gebäude wie die Redaktion von Stiftung Warentest. Hier stand zu der Zeit der Langzeittest eines Toyota Corollas an. 10 Jahre lang wurde der Wagen auf Herz und Nieren geprüft. Und danach meldete Franziska Interesse an dem Japaner an. 10 Jahre lang war der Corolla ihr treuer Begleiter. Weil die grüne Plakette fehlte, kaufte ihr dann ein Händler den Kleinwagen ab und exportierte ihn nach Ägypten. Wer weiß? Vielleicht dreht der Corolla dort auch heute noch seine Runden. Besonders scharf war der Käufer auf den sehr seltenen 1.3-Liter Motor. Stabil war das Auto obendrein auch noch. Nach einem Crash mit einem BVG-Bus im hektischen Berliner Stadtverkehr reichte ein beherzter Tritt gegen die Tür, um diese auszubeulen.

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Umzug nach Dänemark: Renault Twingo
- Fahrzeug: Renault Twingo 1.2 (erste Generation) mit Faltdach, Baujahr 1997
- Von wann bis wann gefahren: 2007 bis 2008
- Das Verrückte daran: Einen internationalen Umzug in einem französischen Kleinwagen deichseln? Wer, wenn nicht Franziska hätte das durchgezogen. Gut, ein Transporter ergänzte den Umzug, aber im Twingo fuhr ebenfalls ein großer Teil des Hausstands gen Norden. Weil es in Dänemark jedoch eine sehr hohe Registrierungsgebühr für jedes Auto gibt, das eingeführt wird (damals 180 % des dänischen Zeitwertes und heute ca. 150 %), waren dann auch die Tage des flinken Franzosen gezählt. Den absurd hohen Preis für die Einfuhr eines älteren Fahrzeugs wollte die sparsame Franziska nicht berappen. Gut ,dass ihr just in diesem Moment der Schwiegersohn einen Toyota Carina flott machte. Und mit Toyota kannte sich Franzi ja schon aus. Den Garaus machte dem Franzosen dann der harte dänische Winter. Bei – 20 Grad Celsius fror das zu sehr verdünnte Kühlwasser ein, Franziska fuhr trotzdem und der Motor starb leider einen kochenden Tod.

Franziska Land mit ihrem Ehemann Torsten am Strand. Bildquelle: Franziska Land
Schweizer Käse: Toyota Corolla
- Fahrzeug: Toyota Corolla 1.3 Compact Hatch 12 V, E9, Baujahr 1990
- Von wann bis wann gefahren: 2010
- Das Verrückte daran: Nach dem „Ableben“ des Carinas musste von einem Tag auf den anderen ein Auto her, schließlich war Franziska ja für den Weg zu ihrer neuen Arbeitsstelle in der dänischen Schule auf einen fahrbaren Untersatz angewiesen. Also wieder ein Toyota Corolla, genau das gleiche Modell, das sie schon einmal hatte und mit dem sie so gute Erfahrungen machte. Nur war dieses Exemplar eine – Pardon – richtige Rostlaube. Der Corolla war so verrostet, dass man mit dem Arm durch die Tür greifen konnte, so ein großes Loch klaffte in der Karosserie. Da war wirklich alles kaputt, was kaputt sein konnte, Franziska konnte den Kleinwagen nicht einmal mit dem Schlüssel abschließen. In Dänemark ist das jedoch nicht so schlimm, damals schloss man die Haustüren auch nicht ab. Durch den TÜV wäre der Corolla aber nie und nimmer gekommen, so viel steht fest. Und die Moral von der Geschicht‘: In der meersalzgeschwängerten Luft von Dänemark ist eine Unterbodenversiegelung eine kluge Investition.

Bildquelle: mino21 – stock.adobe.com
Der Stromdieb: Skoda Felicia
- Fahrzeug: Skoda Felicia, Baujahr 1997
- Von wann bis wann gefahren: 2010 bis 2012
- Das Verrückte daran: Es war Zeit für den Skoda Felicia. Leider hatte der Tscheche ein kleines (oder großes?) Problem: Kriechstrom. Wurde der Skoda abgestellt, war die Batterie sofort leer. Franziska suchte zig verschiedene Werkstätten auf, um den Fehler zu finden. Leider erfolglos. Jedes Mal, wenn sie den Wagen abstellte, musste sie die Batterie händisch im Motorraum abhängen. Zu aufwändig, zu nervig. Tschüß Felicia! So gar nicht glücklich wie sein Name endete das Vehikel. Nämlich in einer dänischen Schrottpresse auf dem Recylinghof.

Bildquelle: M.Peinado from Alcalá de Henares, España (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:SEAT_Córdoba_SX.jpg), „SEAT Córdoba SX“, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode
Seat Cordoba: Langweilig, aber treu
- Fahrzeug: Seat Cordoba, Baujahr 1998
- Von wann bis wann gefahren: 2010 bis 2012
- Das Verrückte daran: Endlich wurde es mediterran. Mit einem Seat Cordoba. Er sei ein gutes Auto zum Fahren gewesen, so Franziska, aber spannende Erlebnisse konnte sie dieses Mal ausnahmsweise keine sammeln. Schließlich gab sie den Spanier weiter an eine Freundin für deren Tochter. Ein größeres Zugfahrzeug war nötig für den Pony-Anhänger, denn Franziska liebt nicht nur Autos und PS, sondern auch Pferde an sich.

Bora mit Kermit im Huckepack. Bildquelle: Franziska Land
VW Bora meets Kermit
- Fahrzeug: VW Bora 2.0, Baujahr 2000
- Spitznamen: „Proll-Karre“
- Von wann bis wann gefahren: 2016 bis 2019
- Das Verrückte daran: Zurück zum Volkswagen-Konzern. Der VW Bora zog dabei einen kleinen Wohnanhänger („Teardrop“-Eigenbau) aus dem Nachbardorf, in quietschgrün, wie Kermit der Frosch. Die Chassis stammte von einem alten Sprite Alpin. Der Name ist Programm, denn der Caravan ist klein und rund wie eine Träne. Mit ihm machten Franziska und ihr Ehemann Torsten Jütland, Fünen, und verschiedende dänische Küstenabschnitte unsicher. Bis sie sich vor ein paar Jahren einen größeren Retro-Wohnwagen kauften.

Fast wie Italien. Fiat 500 an der dänischen Küste. Bildquelle: Franziska Land
Mediterranes Flair: Fiat 500
- Fahrzeug: Fiat 500 0.9 Twinair, Baujahr 2016
- Von wann bis wann gefahren: 2019 bis heute
- Das Verrückte daran: Franziskas aktuelles Auto ist ein Fiat 500. Der Kleine musste den neuen Wohnwagen ziehen können und sollte dabei trotzdem möglichst kompakt sein. Nur wenige Kleinstwagen haben eine Zugkraft wie ein Fiat 500, deshalb fiel die Wahl auf den kleinen Italiener. Gebremst schafft der Cinquecento 800 Kilogramm. Franziska ist mit ihm zufrieden, es sei ein guter Stadtwagen, aber zwei Mal ist sie mit dem Fiat 500 schon fast aus der Kurve geflogen. Obacht, liebe Franziska, Dänemark ist keine Formel 1-Piste!

Die Zukunft ist elektrisch. Bildquelle: Franziska Land
Blick in die Zukunft: Es wird elektrisch
Das soll es dann gewesen sein mit den Benzinern. Dänemark denkt immer mehr elektrisch. Und so denkt auch Franziska über die Anschaffung eines elektrobetriebenen Fahrzeugs für den Ruhestand nach. Sie liebäugelt mit einem neuen Elektro-Polo. Kaufen will sie ihn aber erst, wenn die Kinderkrankheiten ausgemerzt sind. Derweil ist ihr Gatte bereits elektrisch unterwegs, mit dem „Evecar“ (einer stylischen Elektro-Ape) in Ferrari-Rot mit Kofferaufbau im Heck. Es geht also rasant weiter in Franziskas (Auto)leben. Und wir wünschen ihr und Ihrer Familie heute und morgen allzeit gute Fahrt und viel Spaß mit Retromanie – dem Young- und Oldtimer-Blog von SJS Carstyling – Ihrem Online-Ersatzteilshop mit über 20 Jahren Erfahrung. Besuchen Sie uns doch auch mal bei Instagram, YouTube oder TikTok. Und wenn auch Sie eine spannende Autogeschichte zu erzählen haben: Wir sind ganz Ohr!
Bildquelle Titelbild: Franziska Land

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