Heute gehören Tankstellen ganz selbstverständlich zum Straßenbild. Ob zum Tanken, für einen Kaffee oder den schnellen Einkauf, sie sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch der Weg zur modernen Tankstelle war lang und eng mit der Entwicklung des Automobils verbunden. Die Geschichte beginnt überraschenderweise nicht an einer Zapfsäule, sondern in einer Apotheke.

Foto: Rudolf Stricker – „Stadtapotheke Wiesloch (erste Tankstelle der Welt)“, via Wikimedia Commons
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wiesloch_Stadtapotheke_Erste_Tankstelle_20100620.jpg
Die erste Tankstelle der Welt war eine Apotheke in Wiesloch
Die erste bekannte Tankstelle der Welt war keine Tankstelle im heutigen Sinne, sondern die Stadt-Apotheke Wiesloch. Carl Benz hatte 1985 das erste Automobil der Geschichte entwickelt, den Patent-Motorwagen. 1888 unternahm seine Frau Bertha Benz die erste Fernfahrt von Mannheim nach Pforzheim. Auf ihrer Reise ging ihr jedoch der Treibstoff aus.
Die Lösung für ihr Problem fand Bertha Benz in der Apotheke von Wiesloch. Dort kaufte sie Ligroin, ein damals als Reinigungsmittel verwendetes Petroleumprodukt. Die Stadt-Apotheke in Wiesloch gilt damit bis heute als erste Tankstelle Deutschlands und der Welt. Der historische Moment markiert einen Meilenstein in der Geschichte der Mobilität.
Lesetipp: In unserem Beitrag zur Geschichte von Mercedes-Benz Teil 1 erzählen wir Ihnen weitere Details zum Patent-Motorwagen von Carl Benz.
Die ersten richtigen Tankstellen in Deutschland entstehen
Mit der zunehmenden Verbreitung von Automobilen wurde schnell klar, dass eine bessere Infrastruktur und deutlich mehr Tankstellen notwendig sind. Anfangs wurde Kraftstoff noch in Kanistern, Apotheken oder Kolonialwarenläden verkauft.
Die erste speziell errichtete Tankstelle weltweit entstand 1905 in den USA. In Deutschland dauerte es noch einige Jahre, bis sich ein flächendeckendes Netz entwickelte. Die erste öffentliche Tankstelle Deutschlands wurde 1922 in Hannover eröffnet.

Ein Foto der wohl ersten Tankstelle in Hannover aus ca. dem Jahr 1923 – Bildquelle: Unknown authorUnknown author (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Conti_echo_23_olex_erste_tankstelle_hannover.jpg), „Conti echo 23 olex erste tankstelle hannover“, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons: https://commons.wikimedia.org/wiki/Template:PD-1923
Diese frühen Tankstellen waren oft einfach gestaltet: Eine Zapfsäule, ein kleiner Lagerraum und manchmal ein Mitarbeiter, der das Tanken übernahm. Dennoch waren sie ein großer Fortschritt gegenüber dem umständlichen Verkauf aus Kanistern.
Ebenfalls interessant: Auch die Gurtpflicht in Deutschland war ein großer Fortschritt, besonders für die Verkehrssicherheit.
Vom Benzinfass zur Zapfsäule
Die Technik der Kraftstoffabgabe entwickelte sich schnell weiter. Anfangs wurde Benzin noch per Hand aus Fässern abgefüllt. Das war nicht nur unpraktisch, sondern auch gefährlich, da der Treibstoff hochentzündlich ist und ein kleiner Funke für einen Brand reicht.
Mit der Einführung von Zapfsäulen wurde das Tanken deutlich sicherer und effizienter. Diese frühen Säulen waren oft mechanisch und zeigten die abgegebene Menge über sichtbare Glasbehälter an. Später folgten elektrische Pumpen und moderne Messsysteme.
In Deutschland verbrauchen Pkw täglich rund 124 Millionen Liter Kraftstoff. Davon entfallen etwa 59 Millionen Liter auf Benzin und 45 Millionen Liter auf Diesel – Benzin liegt damit klar vorne. Auf das Jahr hochgerechnet entspricht das rund 21,7 Milliarden Liter Benzin und 16,3 Milliarden Liter Diesel. Trotz wachsender E-Mobilität stieg der Kraftstoffabsatz 2025 leicht um etwa 1% an, was Klimaschutzziele im Verkehrssektor unter Druck setzt.
Schon mal drüber nachgedacht? Dank eines cleveren Mechanismus stoppt der Zapfhahn mittlerweile automatisch, sobald der Tank voll ist. Im Zapfhahn verändert sich der Druck, was den Tankvorgang automatisch beendet. In früheren Zeiten gab es diesen praktischen Mechanismus noch nicht.
Parallel zur Weiterentwicklung der Zapfsäulen verbesserte sich auch die Infrastruktur insgesamt. Tankstellen in Deutschland wurden größer, verfügten über mehrere Zapfsäulen und wurden zunehmend an wichtigen Verkehrsachsen errichtet.

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Die Tankstelle wird zum Treffpunkt und Serviceort
In den 1950er- und 1960er-Jahren wandelte sich die Tankstelle vom reinen Versorgungsort zu einem Servicepunkt für Autofahrer. Neben Kraftstoff gab es nun auch Ölwechsel, kleinere Reparaturen, Reifenservice und Waschmöglichkeiten. Tankstellen wurden zu wichtigen Anlaufstellen für Reisende. Besonders auf langen Strecken waren sie oft die einzige Möglichkeit, um eine Pause einzulegen.
Der Dieselpreis in Deutschland erreichte am 2. April 2026 mit 2,327 Euro pro Liter ein neues Allzeithoch – 0,6 Cent über dem bisherigen Rekord aus März 2022. Auch Super E10 kletterte auf 2,129 Euro (Jahreshöchststand). Auslöser sind der Iran-Konflikt sowie die neue Spritpreisbremse der Bundesregierung, die laut ADAC zu einem Risikoaufschlag der Mineralölkonzerne führt. Zum Vergleich: In den 1970ern kostete Benzin umgerechnet rund 28 Cent, 2020 während Corona nur etwa 1,11 Euro – und noch 2024 lag Diesel bei durchschnittlich 1,65 Euro pro Liter.

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Die Entwicklung zum modernen Tankstellenkonzept
In den letzten Jahrzehnten hat sich das Bild der Tankstelle erneut stark verändert. Heute präsentieren sich Tankstellen häufig als Einkaufsmöglichkeit mit einem erweiterten Angebot. Neben Kraftstoff finden Autofahrer häufig eine Waschanlage und einen Shop mit Zeitungen, Zeitschriften, Backwaren, Snacks und Getränken.
Nicht selten nehmen Tankstellen außerdem Pakete an und dienen als praktischer Paketservice. In vielen Städten sind Tankstellen rund um die Uhr geöffnet und bieten damit eine wichtige Versorgungsmöglichkeit, die sich gerade außerhalb der regulären Ladenöffnungszeiten als vorteilhaft erweist.
In Deutschland gibt es aktuell rund 13.947 Tankstellen (Stand: Juni 2025) – erstmals weniger als 14.000, ein historischer Tiefstand. Der Rückgang ist ein langfristiger Trend: In den 1970er-Jahren waren es noch über 46.000 Stationen. Haupttreiber des Abbaus sind Netzverkleinerungen großer Konzerne wie Aral und Shell. Die größten Netze halten Aral, Shell (1.896 Stationen) und Esso (1.078 Stationen). Trotzdem gilt das Tankstellennetz nicht als Auslaufmodell – Betreiber setzen zunehmend auf Diversifizierung durch Shops, Carwash-Angebote und alternative Antriebe.
Elektromobilität und alternative Antriebe bringen neue Herausforderungen
Mit dem Wandel der Mobilität steht auch die Tankstelle vor neuen Herausforderungen. Elektroautos benötigen keinen klassischen Kraftstoff wie Benzin oder Diesel, sondern Strom. Daher entstehen zunehmend Ladepunkte für E-Autos an bestehenden Tankstellen und in eigenständigen Ladeparks.
Auch alternative Kraftstoffe wie Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe spielen eine immer größere Rolle. Die klassische Tankstelle entwickelt sich dadurch zur Mobilitätsstation, die Autofahrern verschiedene Energieformen anbietet und Oldtimer, Neuwagen mit Hybrid-Antrieb und E-Autos gleichermaßen mit Treibstoff versorgt.
Tankstellen im Wandel: Ein Blick in die Zukunft
Die Tankstelle der Zukunft könnte ganz anders aussehen als heute. Schnellladesäulen, digitale Bezahlmöglichkeiten und automatisierte Systeme werden immer wichtiger. Gleichzeitig bleibt die Tankstelle ein Ort der Versorgung und Begegnung – ähnlich wie ein Oldtimertreffen.
Was mit einem kleinen Kauf in einer Apotheke begann, hat sich mittlerweile zu einem globalen Netzwerk an Tankstellen entwickelt, welches die Mobilität von Millionen Menschen täglich ermöglicht.
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