Wenn es um hochwertige Autoradios mit Geschichte geht, führt kaum ein Weg an Becker vorbei. Die Marke steht seit Jahrzehnten für Qualität, technische Innovation und eine stilvolle Integration in Fahrzeuge – besonders im Premium- und Oldtimer-Bereich. Doch wie begann die Erfolgsgeschichte von Becker, und warum sind diese Radios bis heute so begehrt?

In der Goldstadt Pforzheim begann die Geschichte… Bildquelle: Fabian Reinhardt – stock.adobe.com
Präzision aus Deutschland: Die Anfänge der Becker Radios
Die Geschichte von Becker beginnt unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg: Am 2. August 1945 meldete der Rundfunktechniker Max Egon Becker (1918–1983) in Pforzheim sein Gewerbe an. Ende 1948 entwickelte er mit dem „Autophon AS 49″ das erste serienreife Autoradio – und stellte es kurz darauf bei Daimler-Benz vor. Die Reaktion war so positiv, dass er 1949 die Becker Radiowerke offiziell gründete. Auf dem Pariser Automobilsalon desselben Jahres gewann das Gerät den ersten Preis als bestes Autoradio der Welt – ein Erfolg, der die Marke auf einen Schlag international bekannt machte.
Die Produktion erfolgte nicht in Pforzheim selbst, sondern im Werk Ittersbach bei Karlsruhe. 1970 kam ein zweites Werk in Schaidt in der Pfalz hinzu. Mit dem wachsenden Siegeszug des Automobils erkannte Becker früh das Potenzial von Autoradios und entwickelte sich rasch zu einem der prägenden Anbieter in diesem Segment.
Luxus im Fahrzeug: Die ersten Becker Autoradios
Bereits in den frühen 1950er-Jahren brachte Becker Autoradios auf den Markt, die damals ein echtes Luxusgut darstellten. Ein besonderer Meilenstein war das Modell Becker Mexico, das 1953 vorgestellt wurde. Es verfügte über einen motorgetriebenen, vollautomatischen Sendersuchlauf – eine für die damalige Zeit revolutionäre Technik. Das Gerät setzte neue Maßstäbe in Sachen Klang- und Empfangsqualität und wurde schnell zum Synonym für hochwertige Fahrzeugunterhaltung.
Ein wenig bekanntes, aber charmantes Detail: Max Egon Becker war selbst begeisterter Rennfahrer – und benannte seine Modelle ganz bewusst nach berühmten Rennstrecken und Motorsport-Metropolen: Mexico, Monte Carlo, Monaco, Le Mans, Nürburg, Monza. Dieser Markenstil verband Technikbegeisterung mit sportlicher Leidenschaft und prägte das Image der Marke bis in die 1990er-Jahre.
Integration in Premiumfahrzeuge: Becker wird fester Partner von Automarken
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Becker zum festen Partner vieler Automobilhersteller. Besonders Marken wie Mercedes, BMW und Audi setzten auf die hochwertigen Radios aus deutscher Produktion.
Die Geräte zeichneten sich durch ihre harmonische Integration ins Fahrzeugdesign aus. Statt auffälliger Technik standen bei Becker Eleganz, Funktionalität und eine klare Bedienlogik im Vordergrund. Genau dieser Ansatz sorgt bis heute dafür, dass die Marke in der Oldtimer-Szene so geschätzt wird.
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Bekannt für Qualität: Technische Innovationen der Becker Radios
Becker war nicht nur für Qualität bekannt, sondern setzte über Jahrzehnte immer wieder technische Meilensteine:
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1949 – Erstes serienreifes Autoradio mit automatischem Sendersuchlauf (Autophon AS 49)
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1963 – Erstes Transistor-Autoradio von Becker: das Monte Carlo
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1969 – Weltweit erstes Kassetten-Autoradio mit UKW-Stereo und automatischem Suchlauf: das Mexico Olympia Cassette
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1973 – Erste Geräte mit Verkehrsfunkauswertung (z. B. Monza Kurier)
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1975 – Erstes Kassetten-Autoradio mit Auto-Reverse
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1987 – Einführung von CD-Wiedergabe im Autoradio
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1997 – Eines der ersten Navigationsgeräte im DIN-Format: der Traffic Star

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Wo wurden Becker-Radios verbaut?
Becker-Radios fanden sich nicht nur in deutschen Premiumfahrzeugen – die Marke belieferte ein breites Spektrum an Herstellern und Modellen. Wer einen Oldtimer mit originalem Becker-Radio sucht, wird in folgenden Fahrzeugen besonders häufig fündig:
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Mercedes-Benz – Becker war über Jahrzehnte der bevorzugte Serienlieferant, von der Pagode (W113) bis zur S-Klasse (W126)
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Porsche – 911, 914 und 912 wurden häufig ab Werk mit Becker bestückt, besonders das Le Mans und Monte Carlo
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BMW – Modelle der 02-Reihe, E3 und frühe 3er/5er-Reihen
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Audi & VW – insbesondere gehobene Ausstattungslinien der 1970er und 1980er
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Rolls-Royce & Bentley – für den britischen Luxusmarkt wurden Becker-Geräte in Sonderanfertigungen geliefert
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Ford (USA) – Becker exportierte Geräte auch für den amerikanischen Markt, u. a. für Ford-Modelle der 1950er und 1960er
Ein originales Becker-Gerät trägt häufig entscheidend zur Authentizität und zum Wert eines Oldtimers bei – ein restauriertes Mexico-Radio erzielt auf dem Sammlermarkt heute Preise ab 1.300 Euro aufwärts.
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Im Überblick: Beliebte Modelle der Becker-Radios
Mit Becker Europa, Becker Grand Prix und Becker Mexico bot die Marke drei Kernmodelle an, die von der Basisausstattung bis zum Topgerät eine klare Hierarchie bildeten:
| Merkmal | Europa | Grand Prix | Mexico |
| Preisklasse | Einstieg | Mittelklasse | Spitze |
| UKW/MW/LW | ✓ | ✓ | ✓ |
| Kurzwelle (KW) | ✓ | ✓ | Teilweise |
| Stationstasten | ✓ | ✓ | ✓, ab späteren Modellen |
| Mechanischer Sendersuchlauf | ✗ | ✓ | ✓ |
| Kassettenteil | ✗ | ✗ | ✓ |
| Fondlautsprecher | ✗ | ✗ | ✓ |

Bildquelle: Harman International Industries (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Harman_International_logo.svg), „Harman International logo“, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons: https://commons.wikimedia.org/wiki/Template:PD-shape
Im Wandel: Die Veränderung der Becker Autoradios
Über mehr als fünf Jahrzehnte aktiver Produktion verließen mehrere Millionen Geräte die Werke in Ittersbach und Schaidt, bevor die Marke durch Übernahmen schließlich im Konzern Harman International aufging – der 2017 seinerseits von Samsung übernommen wurde. Als eigenständige Marke existiert Becker heute nicht mehr, doch das Erbe lebt weiter: in unzähligen Oldtimern, auf Sammlermärkten und in der Werkstatt von Enthusiasten, die diese Geräte liebevoll restaurieren.
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