Die Kuckucksuhr, die Schwarzwälder Kirschtorte und der Bollenhut. Viele kultige Ikonen stammen aus dem süddeutschen Mittelgebirge. Aber wussten Sie, dass auch die legendären BBS-Felgen aus dem Schwarzwald kommen, genauer gesagt aus Schiltach? Seit über fünf Jahrzehnten sind sie der markante Blickfang und ein gefragtes Accessoire für Young-, Oldtimer und moderne Fahrzeuge. Apropos Felgen: Kennen Sie schon unser umfangreiches Sortiment an atemberaubenden MECDesign-Felgen für Mercedes-Benz? Schauen Sie gerne mal rein. Bei uns wird garantiert jeder Felgenliebhaber glücklich. Aber zurück zu BBS…
Woher stammt eigentlich die BBS-Felge?
Gegründet wurde BBS im Jahr 1970 im 3.500 Einwohner-Örtchen Schiltach im Landkreis Rottweil (hier wurde übrigens auch die Schwarzwaldklinik teilweise gedreht). Heinricht Baumgartner und Klaus Brand stecken hinter der Marke. Und das spiegelt sich auch im Firmennamen wider. BBS steht für Baumgartner, Brand und Schiltach. Ein neuartiges, dreiteiliges Motorsport-Rad konstruieren die Tüftler bereits im Jahr 1972. Durch die Kombination verschiedener Werkstoffe ein echter Meilenstein auf dem Felgenmarkt.
Auch die BBS-Felge RS001 in 7×15 Zoll (ursprünglich für den BMW E30 entwickelt) gilt als Meilenstein. Die Felge gilt mittlerweile als echtes Kulturgut und ist heißbegehrt. Das dreiteilige Rad kam 1983 heraus und hatte eine TÜV-Straßenzulassung. Auf dem Teilemarkt sind Preise von bis zu 4.500 Euro für gut erhaltene oder restaurierte Felgensätze keine Seltenheit. Die dreiteilige Konstruktion mit geschraubtem Innen- und Außenbett sowie geschmiedetem Stern sind ein echter Blickfang.

Das Schwarzwald-Städtchen Schiltach. Bildquelle: globetrotter1 – stock.adobe.com
Die Unternehmensstruktur von BBS:
BBS Automotive GmbH – Hauptsitz in Herbolzheim (Breisgauallee 1, 79336). Hier läuft die Produktion der Leichtmetallräder für Aftermarket und OEM-Erstausrüstung.
KW Automotive GmbH – Sitz in Fichtenberg (Aspachweg 14, 74427). Die Muttergesellschaft übernimmt Vertrieb, Service und Management.
BBS Motorsport GmbH – ansässig in Haslach. Die eigenständige Rennsport-Sparte produziert Schmiederäder für den Motorsport, darunter auch für die Formel 1.
Zusätzlich liefert BBS Japan separat gefertigte Schmiederohlinge für den Motorsport- und Highend-Bereich.
Die aufwändige Produktion von BBS-Felgen
Bevor überhaupt gegossen wird, wird jede neue Felge zuerst am Computer konstruiert und virtuell getestet. Dabei prüft BBS, wie sich das Rad unter Belastung verhält, zum Beispiel bei Dauerbeanspruchung, hoher Geschwindigkeit oder starken Kräften im Alltag und im Motorsport. Anschließend wird die passende Aluminium-Legierung hergestellt und auf über 750 Grad erhitzt. Das flüssige Material presst der Felgenhersteller dann per Niederdruckverfahren in die gewünschte Form. So entsteht ein sehr sauberer und gleichmäßiger Gussrohling. Damit keine Fehler im Material verborgen bleiben, wird jede Felge danach geröntgt. Räder mit Lufteinschlüssen oder anderen Mängeln werden direkt aussortiert.
Bei bestimmten Felgen kommt danach noch das Flow-Forming-Verfahren zum Einsatz. Dabei wird das Felgenbett unter Druck ausgewalzt. Das macht die Felge leichter und gleichzeitig stabiler, weil das Material verdichtet wird. Zum Schluss folgen weitere Arbeitsschritte wie Wärmebehandlung, CNC-Bearbeitung, Lackierung und ein zusätzlicher Korrosionsschutz. So bekommen die Räder neben ihrer präzisen Form auch eine widerstandsfähige Oberfläche und eine hochwertige Optik. Manche Felgen werden zusätzlich mit speziellen Details wie Keramikpolitur oder diamantgedrehter Oberfläche „verwöhnt“.
Das besondere Design von BBS-Felgen
Unverkennbar ist das äußere Erscheinungsbild von BBS-Rädern. Die Kreuzspeichen-Felgen aus dem Schwarzwald hatten von Anfang an besonderes viele Speichen. Ende der 80er-Jahre standen die sogenannten Y-Speichen im Mittelpunkt des Interesses, die mit 5, 7 oder 10 Speichen angeboten werden. Sehr bekannt ist auch das SV-Rad, das ursprünglich für SUVs entwickelt wurde und mitterweile in vielen Sportwagen und Tuningautos steckt. Das macht BBS-Felgen so besonders und wohl auch so erfolgreich:
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Dreiteilige Bauweise – die klassische BBS-Optik mit Felgenstern und zwei Felgenbetten ist weltweit bekannt.
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Diamantgedrehte Oberfläche – manche Felgen werden bis zum Aluminium hin freigelegt, was einen zweifarbigen Look ergibt.
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Keramikpolitur – für höchste Brillanz wird die Felge mit kleinen Keramikpartikeln poliert.
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Dreischichtlackierung – Grundierpulver, Wasserbasislack und Acrylpulver machen die Oberfläche widerstandsfähig.
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Anfahrschutz – Kunden können den Bordstein-Schutz selbst austauschen.

Bildquelle: bluebeat76 – stock.adobe.com
BBS in der Formel 1: Schumi und Co.
Über 4.000 Rennsiege in der Motorsport-Königsklasse sprechen für sich. 1992 stieg BBS als Ausrüster in die Formel 1 ein. Eine Zeit lang war der Hersteller Alleinausrüster aller Teams. Rennsport-Legende Michael Schumacher gewann sämtliche seiner sieben Weltmeistertitel auf BBS-Rädern. Kein anderer Felgenhersteller kann das von sich behaupten.
Maßgeblich beteiligt an den Rennsport-Erfolgen war Martin Braungart, der 1979 als geschäftsführender Gesellschafter zur BBS GmbH & Co. KG stieß. Bekanntheit erlangte unter anderem durch die Rennsportefolge von Ford (Escort und Capri). Auch im Jahr 2026 ist BBS noch immer in der Formel 1 aktiv und rüstet die Scuderia Ferrari mit Felgen aus. Für die legendären NASCAR-Rennen in den USA schickt BBS Felgen in die Staaten.

Bildquelle: BBS GmbH (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:BBS_Herbolzheim.jpg), „BBS Herbolzheim“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode
Wirtschaftliche Turbulenzen, doch BBS bleibt zäh
BBS ist ein echtes Lehrstück in Sachen Marken-Zähigkeit. Seit 2007 meldete das Unternehmen fünfmal Insolvenz an – und wurde trotzdem jedes Mal gerettet:
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2007 – Erste Zahlungsunfähigkeit durch strukturelle Probleme
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2010 – Managementversagen trotz Eigentümerwechsel
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2020 – Coronakrise, rund ein Drittel aller Stellen gestrichen
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2023 – Hohe Energiepreise und Kaufzurückhaltung der Kunden
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2024 – Absurder Todesstoß: Der damalige Investor kaufte die Produktionsanlagen, aber nicht die Markenrechte. BBS durfte monatelang keine Felgen verkaufen – obwohl die Nachfrage da war. Als der Rechtsstreit beigelegt war, war das Unternehmen bereits ausgeblutet
Im März 2025 nahm die Produktion unter Klaus Wohlfarth (KW Automotive) am Standort Herbolzheim wieder Fahrt auf. Der Insolvenzverwalter selbst nannte es einen „Erfolg, den viele nicht mehr für möglich gehalten haben“.

Bildquelle: Spurzem – Lothar Spurzem (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:VW_Corrado_16_V_(2010-04-12)_ret2.jpg), „VW Corrado 16 V (2010-04-12) ret2“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/legalcode
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Bildquelle: Josh Bryan – stock.adobe.com
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Bildquelle Titelbild: Andrii Kucheruk – stock.adobe.com

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