Die vielen Gesichter der Alfa Romeo Giulietta

von | Apr. 13, 2026 | Oldtimer Portraits | 0 Kommentare

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Die Alfa Romeo Giulietta gehört zu den bekanntesten Modellreihen der italienischen Marke Alfa Romeo. Über Jahrzehnte hinweg wurde der Name immer wieder neu interpretiert. Mal als sportliches Coupé, mal als elegante Limousine, mal als moderner Kompaktwagen. Über alle Generationen hinweg wurde fast eine Million Giuliettas produziert – was das Modell zum meistverkauften Alfa in der Markengeschichte macht. Doch was steckt hinter dem Namen Giulietta? Und was macht die einzelnen Generationen so besonders? Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie vielseitig diese Modellreihe ist.

Alle Giulietta-Generationen im Überblick:

Alfa Romeo Giulietta (Typ 750/101), 1. Generation (Baujahr 1954 bis 1964)
Alfa Romeo Giulietta (Typ 116), 2. Generation (Baujahr 1977 bis 1985)
Alfa Romeo Giulietta (Typ 940), 3. Generation (Baujahr 2010 bis 2020)

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Das Cockpit eines 1960er Alfa Romeo Giulietta Spider – Bildquelle: Sergey Kohl – stock.adobe.com

1950er-Jahre: Die Geburt der Alfa Romeo Giulietta

Die Alfa Romeo Giulietta war bei ihrer Einführung 1954 ein echter Meilenstein: Sie verband kompakte Abmessungen mit fortschrittlicher Technik und sportlichem Anspruch. Besonders bemerkenswert war der von Giuseppe Busso entwickelte 1,3 Liter Vierzylindermotor mit Aluminium-Motorblock und Zylinderkopf, zwei obenliegenden Nockenwellen und drehfreudigem Charakter.

Auch das Fahrwerk mit Doppelquerlenkern vorn, aufwendig geführter Starrachse hinten und Trommelbremsen rundum zeigte, dass Alfa Romeo schon damals auf Fahrdynamik setzte. Mit ihren verschiedenen Karosserieformen von Berlina über Sprint bis Spider stand die Giulietta für eine neue, emotionalere Art des Automobils und wurde schnell zu einem der wichtigsten Modelle der Marke.

Heute ein begehrter Oldtimer: Der Giulietta Spider wurde von Pininfarina entworfen und von 1955 bis 1962 produziert. Heute ist das klassische italienische Cabriolet ein begehrter Oldtimer mit hohem Sammlerwert, der gut und gerne mehrere Zehntausend Euro in gutem Zustand kostet.

750 oder 101? Was ist der Unterschied? Die erste Alfa Romeo Giulietta (ab 1954) trug beide Bezeichnungen, je nach Produktionszeitraum und Modellreihe. Serie 750 waren die frühen Modelle, beginnend mit der Giulietta Sprint (1954) und der Berlina (Limousine, 1955).  Ab ca. 1959/1960 (mit der Modellpflege) wurden die Fahrgestellnummern auf die 101-Serie umgestellt. Oftmals wird die Baureihe daher als 750/101 zusammengefasst, um die gesamte Produktionszeit von 1954 bis 1964/65 abzudecken.

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Statue der berühmten Julia aus „Romeo und Julia“ – Namensgeberin der Giulietta – Bildquelle: thauwald-pictures – stock.adobe.com

Eine Liebesgeschichte: Woher kommt der Name Giulietta?

Der Name Giulietta ist kein Zufall. Er stammt aus der italienischen Version von Romeo und Julia. Während Romeo bereits im Markennamen Alfa Romeo steckt, ergänzt Giulietta die romantische Verbindung. Diese Namensgebung soll die emotionale Ausrichtung der Automarke unterstreichen und betonen, dass Autos nicht nur funktionieren, sondern auch begeistern sollen.

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Über das Design der zweiten Generation lässt sich streiten… – Bildquelle: ChristosV (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Giulietta_(nuova)-Exterieur.jpg), „Giulietta (nuova)-Exterieur“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

1970er-Jahre: Alfa Romeo Giulietta Modell 116 als kontroverse Limousine

Die Giulietta 750 und 101 wurden von 1954 bis 1961 produziert, wobei der Kompaktwagen zwei Facelifts erhielt. Nach einer Pause von mehreren Jahren kehrte die Giulietta 1978 als zweite Generation zurück auf den Markt. Sie präsentierte sich als viertürige Limousine und setzte verstärkt auf Alltagstauglichkeit, ohne dabei den sportlichen Anspruch zu verlieren.

Technisch basierte die zweite Generation Giulietta 116 auf einer Transaxle-Bauweise. Der Motor befand sich vorne, während das Getriebe hinten verbaut war. Diese Bauweise sorgte für eine ausgewogene Gewichtsverteilung und ein dynamisches Fahrverhalten.

Zu den technischen Highlights gehörten ein Vierzylinder-Motor mit sportlicher Abstimmung, ein Hinterradantrieb, eine gute Balance und eine angenehme Fahrdynamik. Die neue Giulietta verband Alltagstauglichkeit mit einem sportlichen Fahrverhalten, was für die damalige Zeit keine selbstverständliche Kombination war.

Für viel Kritik sorgte das Design der zweiten Generation der Giulietta. So schrieb „Der Spiegel“ in der Ausgabe 46/1981:

„Fatal wirkte sich auch aus, daß es nicht gelang, für Romeos Vielgeliebte Giulia eine angemessene Nachfolgerin zu entwickeln. Das arme Julchen war nun wirklich nicht gebaut, die Käuferherzen zu entflammen. Die Ingenieure hatten der Giulietta eine Motorhaube verpaßt, die den Verdacht weckt, sie stamme aus dem gleichen Preßwerk wie die Thüringer Keksdose namens Wartburg. Das Heck sieht aus, als hätte jemand das Auto hochgehoben und nie wieder losgelassen. Die Sicht nach hinten geriet dürftig, der Kofferraum zu klein.“

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Die neueste Variante der Giulietta. Gibt es wirklich nie wieder ein Comeback? – Bildquelle: Great Brut Here – stock.adobe.com

2010: Comeback der Giulietta 940 nach einer langen Pause

1985 endete die Produktion der Giulietta 116 und der Name verschwand zunächst von der Bildfläche. Erst 2010 feierte er sein Comeback, als die neue Alfa Romeo Giulietta Typ 940 als moderner Kompaktwagen vom Band rollte. Die dritte Generation versuchte, gegen etablierte Modelle in der Kompaktklasse anzutreten und gleichzeitig die typische Alfa-Romeo-DNA zu bewahren. Beliebt war die Generation vor allem mit 1.4 TB und JTDM Dieselmotor.

Interessant: 1985 begann die Gurtpflicht in Deutschland, die mittlerweile schon über 50 Jahre andauert.

2010 bis 2020: Die moderne Alfa Romeo Giulietta

Auch heute überzeugt die Giulietta der italienischen Automobilmarke noch immer durch ihr Design. Die markante Front mit dem typischen Alfa-Grill und die dynamischen Linien machen den Kompaktwagen nach wie vor zu einem echten Hingucker.

Das moderne Modell präsentiert sich dabei als Turbobenziner oder Dieselmotor, verfügt über einen Frontantrieb und moderne Assistenzsysteme. Das DNA-Fahrmodus-System (Dynamic, Normal, Advanced Efficiency) erlaubt es dem Fahrer zudem, sein Fahrverhalten individuell anzupassen.

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Auch die Carabinieri fahren Alfa, allerdings die große Schwester Giulia – Bildquelle: Gioscar1 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Giulia_Carabinieri.jpg), „Giulia Carabinieri“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode

Highlight zum Jubiläum: Giulietta Quadrifoglio Verde

60 Jahre nachdem die erste Alfa Romeo Giulietta präsentiert wurde, feiert die italienische Automarke ihr Jubiläum mit einer neuen Topversion, der Alfa Romeo Giulietta Quadrifoglio Verde. Als eines der sportlichsten Serienfahrzeuge der Marke präsentiert sich das automobile Highlight komplett in Leichtmetallbauweise. Aus einem Hubraum von rund 1.750 Kubikzentimetern fördert die Giulietta Quadrifoglio Verde 177 kW beziehungsweise 241 PS und steht somit offiziell für die Motorsport-DNA von Alfa Romeo.

Wussten Sie’s? „Quadrifoglio Verde“ steht für grünes, vierblättriges Kleeblatt. Das Quadrifoglio-Symbol stammt aus dem Motorsport und wurde erstmals in den 1920er Jahren verwendet, ähnlich wie das „M“ bei BMW. Rennsport-DNA wohnt übrigens auch den Instrumenten von Veglia Borletti inne.

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Bildquelle: Auge=mit (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:AR_Quadrifoglio_Verde_noBG.png), „AR Quadrifoglio Verde noBG“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode

Heutige Situation und Fazit: Wird die Giulietta immer noch gebaut?

Die Geschichte des Namens „Giulietta“ spannt sich also über mehr als sechs Jahrzehnte – und umfasst gleich drei eigenständige Fahrzeuggenerationen, die trotz ihres gemeinsamen Namens kaum unterschiedlicher sein könnten. Vom eleganten Klassiker der 1950er-Jahre über den kompakten Schräghecker der 1980er bis hin zum sportlichen Kompaktmodell der 2010er-Jahre hat Alfa Romeo den Namen immer wieder neu interpretiert.

Heute wird die Giulietta nicht mehr produziert – ihr letztes Kapitel schloss sich 2021. Als Nachfolger gilt der Tonale. Der Name der großen Schwester lebt jedoch weiter: die Giulia, Alfa Romeos sportliche Mittelklasselimousine, wird bis heute gebaut und hält die Tradition des legendären Namens wenigstens ansatzweise lebendig.

Anhaltende Begeisterung: Alfa Romeo ist und bleibt etwas ganz Besonderes

Die verschiedenen Generationen der Giulietta zeigen, wie flexibel ein Modellname interpretiert werden kann. Trotz aller Unterschiede bleibt den drei Generationen eine Gemeinsamkeit: der Fokus auf Fahrspaß, Design und Emotion. Egal, ob als klassischer Roadster, sportliche Limousine oder moderner Kompaktwagen, die Giulietta hat sich immer wieder neu erfunden, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. Vor allem ihre jungen Gesichter gehören heute zu den begehrten Oldtimern.

Schon gewusst? Bei SJS-Carstyling finden Sie (fast) alles, was Sie für die Pflege Ihres Alfas benötigen. Auf unserem exklusiven Oldtimerblog teilen wir mit Ihnen außerdem regelmäßig neue Themen aus der Youngtimer- und Oldtimer-Szene – von der Classic Studie 2025 über den Diebstahlschutz beim Oldtimer bis hin zur Geschichte der Tankstelle.


Bildquelle Titelbild: Die erste Generation der Giulietta – © Matteo Ianeselli / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-4.0 & GFDL (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alfa_Romeo_Giulietta_Sprint_1300.jpg), „Alfa Romeo Giulietta Sprint 1300“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

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