Was sind Weißwandreifen?

von | Juli 18, 2022 | Oldtimer-Zubehör | 0 Kommentare

5/5 - (6 Stimmen)

Ein mächtiges 62er Cadillac Coupe steht am Straßenrand, der schwarze Lack glänzt im Mondschein. Dieses Auto verkörpert Überfluss und Pomp unmittelbar hinterlässt es einen imposanten Eindruck. Eine kolossale Chrome Stoßstange prangert an der Front, die Linien des Fahrzeugs gleichen einem Kunstwerk. Alles perfekt abgerundet durch die unverzichtbaren Weißwandreifen. Nichts schreit so sehr nach Oldtimer wie ein Reifen mit weißer Wand.

Weißwandreifen sind Reifen für Kraftfahrzeuge oder Fahrräder, die über eine weiße Außenwand verfügen. Dabei ist die Dicke des weißen Streifens variabel, einige Reifen haben einen filigranen Ring und bei anderen ist die gesamte Seitenwand weiß bedeckt. Die speziellen Reifen tragen zu dem gesamten Bild vieler Oldtimer bei und sind nicht wegzudenken. Aber weshalb nutzen wir sie heute nicht mehr? Wo kamen die weißen Ränder her und wohin verschwanden Sie?

Geschichte

Der Reifen in der heutigen Form wurde durch mehrere Erfindungen möglich. Charles Nelson Goodyear war ein US-amerikanischer Chemiker, Erfinder und Amateurforscher. Er führte 1844 die Vulkanisation des Kautschuks in die Fertigung ein und schuf damit die Grundlagen für die heutige Kautschukindustrie.

Der Tüftler Robert William Thomson erfand die luftgefüllten Reifen mit vulkanisiertem Schlauch für Fuhrwerke. Aus aufgeblasenem Tierdärmen fertigte Thomson die erste Pneumatik und erhielt dafür am 10. Dezember 1845 das Patent auf Luftreifen. Er fand aber keine Abnehmer für seine Idee, obwohl er den Reifen 1847 erfolgreich getestet hatte.

1890 erhielt Charles Kingston Welch das Patent auf einen Drahtreifen und William Erskine Bartlett das Patent auf einen Wulstreifen. Dem Franzosen Michelin gelang 1895, mit der Einführung eines Luftreifens mit Schlauch, der wirtschaftliche Durchbruch.

Friedrich Veith begann 1903 mit der Einführung von Reifen in Norm-Größen und der Durchsetzung entsprechend genormter Felgen. Continental entwickelte 1904 als erste Firma der Welt „Profilreifen für Automobile“. Die daraus entstandenen Reifenhersteller Goodyear, Dunlop, Continental und Michelin entwickelten sich zu heute weltbekannten Marken.

In den Anfangsjahren waren Weißwandreifen die günstigere Alternative zu vollständig aus angereichertem schwarzem Gummi hergestellten Reifen. Vollständig schwarze Reifen entsprachen der Premiumklasse. Im Laufe der Zeit jedoch änderte sich das und Weißwandreifen galten als Premiumreifen, da sie zum Gesamtdesign des Wagens beitrugen. Während der 1930er Jahre wurden schwarze Reifen wieder bevorzugt. Ab den 1950er und 1960er Jahren wiederholte sich der Trend zu Weißwandreifen. Sie wurden als Gestaltungselement von Fahrzeugen eingesetzt.

Zwischen den 1960er und 1980er-Jahren waren die Weißwandreifen dann fast komplett aus den Serienausstattungen von Neuwagen verschwunden. Lincoln Town Car war die Ausnahme, den gab es bis 2011 serienmäßig mit Weißwandreifen. Ein Grund, warum Weißwandreifen sich erneut auf dem Rückzug befanden, mag darin liegen, dass heutige Autoreifen eine deutlich schmalere „Wand“ aufweisen, die weiß gefärbt werden könnte.

Herstellung

Um die Eigenschaften des Gummis zu verbessern, wurden in den nächsten Jahrzehnten andere Zusatzstoffe, wie zum Beispiel Ruß hinzugefügt. Durch welche die Autoreifen bei der Herstellung Ihre schwarze Farbe erhielten. Weißwandreifen für Autos verfügen in der Regel über eine weiße Reifenflanke. Bei Motorradreifen werden zwei weiße Reifenflanken benötigt. Diese Reifen wurden hauptsächlich bei Oldtimer-Fahrzeugen verwendet.

Im 21. Jahrhundert produzieren nur wenige spezialisierte Hersteller Weißwandreifen. Dazu verwenden sie bei der Neureifenherstellung besondere Formen, die es ermöglichen, Gummimischungen mit unterschiedlichen Farben und Eigenschaften an die gewünschten Stellen des späteren Reifens zu bringen. Besondere Eigenschaften von Weißwandreifen sind in der internationalen Patentklassifikation „B29D 30/00 G“ beschrieben. Insbesondere für Fahrradbereifungen werden Schlauchreifen mit weißen Reflexstreifen hergestellt. Weißwandreifen können auch durch nachträgliches Aufvulkanisieren von geeigneten Gummimischungen hergestellt werden.

Weißwandreifen reinigen

In Betrieben werden Weißwandreifen mit Seifenwasser gereinigt, bei stärkerer Verschmutzung kann auch eins der Reinigungsmittel IMI, ATA, VIM usw. verwendet werden. Keinesfalls sollte man mit Benzin, Benzol, Petroleum, Öl oder verwandten Reinigungsmitteln arbeiten.

Damit Sie lange Freude an Ihren Weißwandreifen haben, achten Sie bei der Lagerung darauf, dass kein direkter Kontakt zu anderen Reifen besteht. Es ist sonst nicht auszuschließen, dass auf den Weißwandflächen ein nicht mehr entfernbarer Abdruck des anderen Reifen entsteht.

Imitationen

Man imitiert Weißwandreifen oft, zum Beispiel mit sogenannten „Weißwandringen“, um das klassische Erscheinungsbild nachzustellen. Das ermöglicht die zeitgenössische Aufbereitung von älteren Fahrzeugen (Oldtimer), für schmales Geld. In der Regel sind sie nur für Ausstellungszwecke geeignet. Reifenfarbe oder Reifenlack mit weißem Farbton wird ebenfalls verwendet, dieser dunkelt aber zügig und wirkt damit schmutzig. Weißwandringe können den Reifen schaden und sind im Straßenverkehr nicht zugelassen.

Unsere Weißwandreifen kombinieren das großartige Aussehen von Oldtimerreifen und die hervorragende Leistung der neuesten modernen Radialreifentechnologie. Bei uns im Shop können Sie eine große Auswahl spezieller Weißwandreifen online kaufen.

Oldtimer-Geräusche erkennen: Ursachen für Klackern, Brummen & Co.

Dass Oldtimer mit ihren riesigen Hubräumen, V8- Sechs- oder Zwölfzylinder-Motoren Sound pur bedeuten, ist für uns Autofans natürlich klar - und der Reiz der ganzen Geschichte. Aber manchmal machen Oldtimer auch ganz andere Geräusche, die uns eher sorgenvoll stimmen....

75 Jahre Porsche Motorsport: Wir gratulieren!

„Porsche ist Motorsport.“ Kaum eine andere Automarke ist so eng mit dem Rennsport verbunden wie der Sportwagenhersteller aus Stuttgart-Zuffenhausen. Seit dem ersten Klassensieg in Le Mans im Jahr 1951 prägen Rennwagen mit dem Porsche-Wappen die Motorsportgeschichte –...

Tankstelle, aber in geil. Die Oldtimer Tankstelle Hamburg.

Wo steht die wohl coolste Tankstelle der Hansestadt, oder vielleicht sogar ganz Deutschlands? Genau, in Rothenburgsort. Der Name: Großtankstelle Brandshof, oder einfach nur: Oldtimer Tankstelle. Direkt obendrüber verläuft die S-Bahn-Trasse auf der 1983 erbauten...

Keilförmig, klug, kultig: 8 Fun Facts zum Ro80

Größer als ein Ford und besonders strömungsgünstig sollte er sein. Das waren die wenigen Vorgaben für den Designer des NSU Ro80, damals, Anfang der 1960er Jahre. Und er sollte für die NSU Motorenwerke AG ein besonderer Meilenstein werden - größer, prestigeträchtiger,...

Pininfarina – eine italienische Design-Ikone

Pininfarina. Ein Name, der das Herz von Autofans weltweit höher schlagen lässt. Und das bereits seit Jahrzehnten. Gegründet Jahr 1930 im oberitalienischen Cambiano in der Nähe von Turin. Von Battista "Pinin" Farina, einem italienischen Karosseriebauer, der im Jahr...

Klassikstadt Frankfurt: Auto-Paradies auf 16.000 Quadratmetern

Mitten in Frankfurt am Main befindet sich ein Ort, der für Oldtimer-Fans weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist: die Klassikstadt Frankfurt. In einer historischen Industrieanlage treffen automobile Geschichte, moderne Restaurierung und gelebte Leidenschaft für...

Kaufberatung Piaggio Vespa: Die flotte Wespe

Agil, leicht und schnell wie eine Wespe. Das ist der Kult-Roller Vespa. Seit dem Beginn der Serienproduktion 1946 wurden über 19 Millionen Vespa-Roller gebaut. Die erste Vespa 98 (V.98) lief 1946 vom Band. Bis Ende 1949 waren bereits 35.000 Fahrzeuge produziert. 1988...

Die wichtigsten Motor-Bauformen im Überblick

Der Motor ist das Herzstück eines Fahrzeugs und prägt maßgeblich dessen Charakter. Je nach Bauform unterscheiden sich Motoren deutlich in Aufbau, Klang, Laufruhe, Leistungsentfaltung und Platzbedarf. Während moderne Fahrzeuge häufig auf effiziente Reihenmotoren...

Die Geschichte von BBS: Premium-Felgen aus dem Schwarzwald

Die Kuckucksuhr, die Schwarzwälder Kirschtorte und der Bollenhut. Viele kultige Ikonen stammen aus dem süddeutschen Mittelgebirge. Aber wussten Sie, dass auch die legendären BBS-Felgen aus dem Schwarzwald kommen, genauer gesagt aus Schiltach? Seit über fünf...

Das VW W12 Coupé Nardò: Als Volkswagen nach den Sternen griff

Ein deutscher Supersportwagen, der es mit Lamborghini, Ferrari und Co. aufnehmen konnte - und dabei aus dem Hause Volkswagen stammt? Was heutzutage unvorstellbar klingt, war Ende der 1990er Jahre Realität. VW-Boss Ferdinand Piëch hatte einen Traum, und seine...

News

Mit unserem Newsletter bekommen Sie interessante Informationen, Sonderangebote und die neuesten Blog-Artikel. Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert