Ein Kaltstart ist für jeden Motor eine besondere Belastung, vor allem bei einem Oldtimer. Ältere Autos verfügen weder über moderne Motorelektronik noch über ausgefeilte Startautomatik-Systeme. Stattdessen sind Technikverständnis, Fingerspitzengefühl und die richtige Vorbereitung gefragt. Wer seinen Klassiker auch in der kalten Jahreszeit bewegen möchte, sollte einige Besonderheiten beachten. Wir geben Tipps zum Kaltstart von Benziner und Diesel.

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Warum ist der Kaltstart für den Motor eines Oldtimers kritisch?
Beim Kaltstart ist das Motoröl noch zähflüssig, Schmierstellen sind nicht optimal versorgt und das Kraftstoff-Luft-Gemisch muss sich erst einpendeln. Bei niedrigen Temperaturen verschärfen sich diese Effekte. Das Öl wird dickflüssiger, die Batterie verliert an Leistung und der Vergaser reagiert empfindlicher.
Motoren von historischen Fahrzeugen haben zudem größere Fertigungstoleranzen als moderne Aggregate. Das bedeutet, dass im kalten Zustand mehr Reibung und ein höherer Verschleiß entstehen. Das Startverhalten ist insgesamt sensibler.
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Wie gelingt der Kaltstart beim Benzin-Oldtimer?
Viele klassische Benziner verfügen über eine Starterklappe, die auch als Choke bezeichnet wird. Erst ab den 1980er-Jahren wurde diese durch eine elektronische Einspritzanlage ersetzt. Bei Kaltstarts kommt der Starterklappe eine zentrale Rolle zu. Sie ermöglicht ein zuverlässiges Starten und stellt sicher, dass der Motor rund läuft.
Zu diesem Zweck schließt sich eine Klappe im Vergaser. Die Luftzufuhr wird verringert, der Unterdruck wird erhöht und der Motor kann mehr Benzin ansaugen. Das Ergebnis ist ein „fetteres Gemisch“, da die Starterklappe das Kraftstoff-Luft-Gemisch anreichert. Für den erfolgreichen Kaltstart Ihres Oldtimers sollten Sie den Choke richtig einsetzen:
- Ziehen Sie die Starterklappe vor dem Start vollständig oder teilweise, je nach Außentemperatur.
- Starten Sie den Motor, ohne gleichzeitig stark Gas zu geben.
- Stabilisieren Sie die Drehzahl nach dem Anspringen.
- Nehmen Sie den Choke langsam zurück, sobald der Motor rund läuft.

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Wird der Choke zu lange gezogen, läuft der Motor zu fett. Das kann zu verrußten Zündkerzen und einem unrunden Lauf führen. Nehmen Sie die Starterklappe zu früh zurück, lässt das den Motor wieder ausgehen. Folglich ist etwas Übung und Geduld gefragt.
Kein Hochdrehen im Stand: Hohe Drehzahlen im kalten Zustand erhöhen den Verschleiß erheblich. Lassen Sie den Motor lieber kurz im Stand stabilisieren und fahren Sie dann bei niedriger Drehzahl los. Unter moderater Last kann der Motor schneller und schonender warmlaufen.
Wie gelingt der Kaltstart beim Diesel-Oldtimer?
Oldtimer mit Dieselmotor reagieren besonders empfindlich auf niedrige Temperaturen. Anders als Benziner benötigen sie hohe Verdichtungstemperaturen, um den Kraftstoff selbstständig zu entzünden. Bei älteren Dieselmodellen ist daher das Vorglühen entscheidend. Die Glühkerzen erwärmen dabei den Brennraum vor dem Start. Im Winter sollten Sie Folgendes beachten:
- Warten Sie die Vorglühzeit vollständig ab.
- Wiederholen Sie den Vorgang bei Bedarf, wenn die Temperaturen sehr niedrig sind.
- Starten Sie den Motor erst, wenn die Kontrollleuchte im Cockpit erlischt.
- Haben Sie ein wenig Geduld für Ihr automobiles Schätzchen. Unternehmen Sie einen zu frühen Startversuch, belasten Sie verstärkt Batterie und Anlasser.
Da Sommerdiesel bei Frost ausflocken und den Kraftstofffilter verstopfen kann, sollten Sie im Winter ausschließlich Winterdiesel tanken. Bewegen Sie Ihr Fahrzeug nur selten, sollten Sie zusätzlich darauf achten, dass sich im Tank kein Kondenswasser sammelt.
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Welche Tipps helfen im Winter zusätzlich beim Kaltstart des Autos?
- Motoröl: Wählen Sie unbedingt ein Öl mit passender Viskosität, das ganzjährig fließfähig bleibt.
- Batterie pflegen: Halten Sie die Polklemmen sauber und laden Sie die Batterie nach längeren Standzeiten. Für Saisonfahrzeuge empfiehlt sich die Verwendung eines Erhaltungsladegeräts.
- Zündanlage prüfen: Zündkerzen, Kabel und Verteilerkappe sollten in gutem Zustand sein.
- Kraftstoffsystem kontrollieren: Undichtigkeiten oder poröse Leitungen sollten Sie möglichst zeitnah reparieren.
- Garagenplatz nutzen: Schon wenige Grad mehr machen einen großen Unterschied beim Kaltstart.
- Motor nicht unnötig im Stand laufen lassen: Fahren bei niedriger Drehzahl verkürzt die Warmlaufphase des Motors. Zudem ist es gesetzlich nicht erlaubt, den Motor im Stand warmlaufen zu lassen.
- Geduld: Nach dem Start des Motors ist etwas Geduld ratsam. Indem Sie die volle Leistung erst abrufen, wenn die Betriebstemperatur erreicht ist, schonen Sie Ihren Oldtimer.

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