Dass Oldtimer mit ihren riesigen Hubräumen, V8- Sechs- oder Zwölfzylinder-Motoren Sound pur bedeuten, ist für uns Autofans natürlich klar – und der Reiz der ganzen Geschichte. Aber manchmal machen Oldtimer auch ganz andere Geräusche, die uns eher sorgenvoll stimmen. Natürlich ist es ganz normal, dass ältere Fahrzeuge mehr klappern, summen oder brummen als moderne Neuwagen. Hinzu kommt, dass die Verschleißteile natürlich auch altern. Aber, wann werden Autogeräusche wirklich zum Problem? Wir klären auf, wann Ventiltickern, mahlende Radlager oder metallisches Motorklopfen dringend einer genaueren Untersuchung bedürfen – und wann Sie am besten sofort anhalten und einen Abschlepper rufen sollten. Los geht’s!
Diese Warnsignale niemals ignorieren: Nicht jedes ungewöhnliche Geräusch bedeutet sofort einen schweren Defekt. Es gibt jedoch einige Warnsignale, bei denen Sie Ihr Fahrzeug möglichst bald überprüfen lassen oder – je nach Situation – besser nicht mehr weiterfahren sollten. Dazu zählen unter anderem lautes metallisches Klopfen aus dem Motor, starkes Schleifen der Bremsen, mahlende Radlager, ein deutliches Rasseln der Steuerkette sowie heftige Knallgeräusche in Verbindung mit Leistungsverlust. Auch ein Zischen mit austretendem Dampf oder ein starkes Heulen aus Getriebe oder Differential können auf schwerwiegende Schäden hindeuten und sollten keinesfalls ignoriert werden.

Geöffneter Ventiltrieb eines Motors. Foto mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt.
1. Klackern oder Tickern
Ein regelmäßiges Tickern gehört bei vielen Oldies gewissermaßen zum guten Ton. Gerade bei Fahrzeugen mit mechanisch eingestelltem Ventilspiel oder älteren Stößelstangenmotoren besteht keinerlei Grund zur Sorge. Kritisch wird es erst, wenn das klackernde Geräusch plötzlich lauter oder unregelmäßig wird. Dann können ein zu geringer Ölstand, verschlissene Hydrostößel, ein falsch eingestelltes Ventilspiel, eine gelängte Steuerkette, verschlissene Kipphebel oder beginnende Lagerschäden vorliegen. Typisch sind die Defekte zum Beispiel beim W123 von Mercedes-Benz, beim VW Käfer, Opel Rekord oder Ford Taunus.

Keilrippenriemen mit Spannrolle. Foto mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt.
2. Quietschende Geräusche
Gerade beim Starten eines klassischen Fahrzeugs ist ein kurzes Quietschen meist harmlos. Oft rutscht lediglich der Keilriemen über die Riemenscheibe, bis die Lichtmaschine richtig arbeitet. Grund zur Sorge gibt es erst dann, wenn das Geräusch dauerhaft auftritt. Auch, wenn beim Bremsen ein Quietschen auftritt, sollten Sie eine Kontrolle einläuten. Folgende Ursachen können dann nämlich dahinterstecken: lockerer Keilriemen, verschlissene Bremsbeläge, angerostete Bremsscheiben, trockene Fahrwerksbuchsen oder ausgeschlagene Lager.

Bremsscheibe und Bremssattel. Foto mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt.
3. Schleifende Geräusche
Metallisches Schleifen ist selten eine gute Botschaft. Besonders wenn das Geräusch mit der Geschwindigkeit zunimmt oder beim Bremsen deutlich stärker wird, können sicherheitsrelevante Bauteile betroffen sein. Prüfen Sie dann folgende Punkte: Sind die Bremsbeläge komplett verschlissen? Schleift das Schutzblech an der Bremsscheibe? Befindet sich ein Steinchen zwischen Bremsscheibe und Ankerblech? Liegt ein defektes Radlager vor? Gibt es lose Auspuffteile? Schleifgeräusche sind unter anderem bei Modellen wie dem Citroën DS, Borgward Isabella oder Triumph Herald keine Seltenheit.

Fahrwerksaufhängung mit Feder und Querlenker. Foto mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt.
4. Poltern und Klopfen
Poltern aus dem Fahrwerk ist für Oldtimer-Fans kein Novum. Die Ursachen für dieses Geräusch sind vielfältig. Die Gummibuchsen härten mit den Jahren aus und verlieren an Elastizität. Daraus resultieren Spiel und störende Geräusche. Weitere mögliche Gründe: Probleme mit dem Querlenkerlager, mit den Koppelstangen, mit den Traggelenken, mit den Stoßdämpfern, den Blattfederbuchsen oder mitunter auch lose Auspuffhalter.

Rad eines fahrenden Oldtimers. Foto mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt.
5. Brummen
Ein gleichmäßiges Brummen kann von den Reifen bzw. von deren Profil kommen, und wäre dann eher harmlos. Es kann aber auch von verschlissenen Radlagern herrühren – und wäre dann eher besorgniserregend. Insbesondere wenn sich das Geräusch dann in den Kurven auch noch verändert, spricht vieles für ein Radlager. Weitere Ursachen können sein: Das Differential, das Getriebe, eine sogenannte Sägezahnbildung an den Reifen (unregelmäßige, schräge Abnutzung der Profilblöcke an den Reifen, Anm. d. Red.) oder die Kardanwelle. Ein brummendes Radlager oder Differential kommt unter anderem bei Volvo Amazon, Alfa Romeo Giulia oder Lancia Fulvia häufiger vor.

Ansaugtrakt im Motorraum. Foto mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt.
6. Pfeifen
Pfeifgeräusche klingen oft besonders dramatisch und sind dann manchmal gar nicht so schlimm, wie man vielleicht annimmt. Bei vielen Classic Cars stammen sie schlicht von kleinen Undichtigkeiten im Ansaugtrakt oder von gealterten oder porösen Unterdruckschläuchen. Auch ein Ansaugleck kann zu einem Pfeifen führen, genau wie Probleme mit der Lichtmaschine, Wasserpumpe – und bei Youngtimern kann auch der Turbolader dahinterstecken.

Auspuffanlage mit Mittelschalldämpfer. Foto mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt.
7. Rasseln
Rasseln ist eines der Geräusche, bei denen man genauer hinhören sollte. Gerade im Motorbereich können gelängte Steuerketten oder verschlissene Kettenspanner dahinterstecken. Andererseits sind auch lose Hitzeschutzbleche eine häufige und in der Reparatur deutlich günstigere Ursache. Außerdem kann das Rasseln auf Probleme mit dem Hitzeschutzblech, den Auspuffschellen oder dem Katalysator zurückzuführen sein. Hier ist dann häufig ein loser Keramikkörper das Problem. Das bedeutet, dass der innere Wabenmonolith gebrochen, gerissen oder verrutscht ist.

Antriebswelle mit Gleichlaufgelenk. Foto mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt.
8. Knacken
Ein knackendes Geräusch fällt besonders beim Rangieren, Einparken oder beim starken Einschlagen der Lenkung auf. Wird es lauter oder treten zusätzlich Vibrationen auf, ist Obacht geboten. Mögliche Ursachen: Verschlissene Gleichlaufgelenke (vor allem bei Frontantrieb), ausgeschlagene Kreuzgelenke der Kardanwelle, defekte Antriebswellen, ausgeschlagene Traggelenke, verschlissene Domlager, gebrochene Fahrwerksfedern oder lose Radschrauben. Knackgeräusche sind beispielsweise bei VW Karmann Ghia, Audi 100 C1 oder Simca 1100 keine Seltenheit.

Geöffnetes Differentialgetriebe. Foto mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt.
9. Heulen
Ein gleichmäßiges Heulen, das mit steigender Geschwindigkeit lauter wird, deutet häufig auf Verschleiß im Antriebsstrang hin. Gerade ältere Schaltgetriebe oder Hinterachsgetriebe entwickeln nach vielen Jahrzehnten ein charakteristisches Laufgeräusch. Ein Getriebesingen ist oft völlig normal. Kritisch wird es erst, wenn das Geräusch lauter wird (vor allem unter Last), in bestimmten Gängen stärker auftritt oder beim Auskoppeln wieder verschwindet. Mögliche Ursachen: Verschlissene Getriebelager, beschädigte Zahnradpaare, zu niedriger Getriebeölstand, verschlissenes Differential, eingelaufene Kegel- oder Tellerräder oder Probleme mit den Radlagern.

Radnabe und Radlagerbereich. Foto mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt.
10. Mahlen und Kratzen
Mahlende oder kratzende Geräusche gehören zu den kritischsten Warnsignalen, die Sie keinesfalls ignorieren sollten. Sie deuten meist darauf hin, dass Metall auf Metall reibt oder Lager bereits erheblich beschädigt sind. Häufig werden solche Geräusche zunächst nur bei bestimmten Geschwindigkeiten oder beim Bremsen wahrgenommen, bevor sie dauerhaft auftreten. Wer jetzt weiterfährt, riskiert im schlimmsten Fall einen kompletten Ausfall des betroffenen Bauteils. Folgende Defekte können dahinterstecken: stark verschlissene Radlager, beschädigte Getriebelager, eine defekte Wasserpumpe, verschlissene Lichtmaschinenlager, zerstörte Bremsbeläge, bei denen bereits Metall auf der Bremsscheibe schleift, Differentialschäden oder beschädigte Achslager.
Gerade bei Klassikern gilt: Lernen Sie Ihr Fahrzeug kennen. Jeder Oldtimer entwickelt mit der Zeit seine ganz eigene Geräuschkulisse. Ein leicht singendes Getriebe, etwas Ventiltickern oder das typische Klacken einer mechanischen Benzinpumpe können durchaus normal sein. Werden Geräusche jedoch plötzlich lauter, verändern ihren Klang oder treten erstmals auf, ist das oft der wichtigste Hinweis darauf, dass ein Bauteil Aufmerksamkeit benötigt. Oft lässt sich ein kleiner Defekt dann beheben, bevor daraus eine kostspielige Reparatur wird.

Bildquelle: Josh Bryan – stock.adobe.com
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