Der Kühlerdeckel war bei Fahrzeugen früher wie eine Art Bühne für Markenstolz, Luxus und Kunst. Hier tummelten sich je nach Marke verschiedene Kühlerfiguren, die einen bestimmten Mythos in Chrom verkörperten. Gerade in den 1920er und 1930er-Jahren wurden Kühlerfiguren zunehmend zum Statussymbol.
Doch manche Figuren haben sich bis heute gehalten. In diesem Beitrag auf Retromanie nehmen wir sieben legendäre Kühlerfiguren der Automobilgeschichte unter die Lupe und wünschen viel Spaß beim Lesen und Entdecken. Sie haben Themenvorschläge für unser Oldtimer-Blog? Dann schreiben Sie uns gerne. Wir freuen uns immer über gute Ideen (gerne auch private Autogeschichten aus Ihrem Leben).
1. Spirit of Ecstasy (Emily): Rolls-Royce

KI-generiertes Bild, erstellt mit OpenAI ChatGPT / DALL-E für Retromanie.
Wie entstand die Kühlerfigur?
Die wohl berühmteste Kühlerfigur der Welt gibt es seit 1911. Entworfen wurde sie vom britischen Künstler Charles Robinson Sykes. Als wichtiges Vorbild gilt Eleanor Thornton, die zum Umfeld des Automobilpioniers Lord Montagu gehörte. Rolls-Royce weist allerdings selbst darauf hin, dass sich um die genaue Entstehungsgeschichte einige Legenden ranken. Der Entwurf wurde am 6. Februar 1911 offiziell als Rolls-Royce-Maskottchen registriert.
Was ist zu sehen?
Eine Frau lehnt sich mit ausgestreckten Armen nach vorne in den Fahrtwind. Was auf den ersten Blick wie Flügel aussieht, ist tatsächlich ihr nach hinten wehendes Gewand. Die Figur soll Bewegung, Eleganz und Geschwindigkeit miteinander verbinden. Die Bezeichnung „Emily“ ist übrigens nur ein inoffizieller Spitzname. Offiziell heißt sie Spirit of Ecstasy.
Wann und auf welchen Modellen?
Die Spirit of Ecstasy war nicht an ein einzelnes Rolls-Royce-Modell gebunden, sondern entwickelte sich zum Markenzeichen der gesamten Marke. Heute trägt jeder in Goodwood gebaute Rolls-Royce die Figur, darunter Phantom, Ghost, Cullinan und Spectre.
Woraus besteht die Figur und wie hat sie sich verändert?
Größe und Haltung wurden im Laufe der Jahrzehnte mehrfach angepasst. Produziert wird sie traditionell im Wachsausschmelzverfahren. Moderne Figuren gibt es beispielsweise aus beziehungsweise mit Oberflächen aus Edelstahl, massivem Silber, 24-karätiger Vergoldung oder Carbon.
Die ersten Kühlerdeckel saßen prominent im Blickfeld; dort wurden unter anderem auch Motometer zur Anzeige der Kühlmitteltemperatur angebracht. Als die Temperaturanzeigen ins Cockpit wanderten, wurde dieser Platz zunehmend zur Bühne für dekorative Markenfiguren.
2. Leaper: Jaguar

KI-generiertes Bild, erstellt mit OpenAI ChatGPT / DALL-E für Retromanie.
Wie entstand die Kühlerfigur?
Der erste offizielle Jaguar-Leaper entstand auf Wunsch von Firmengründer William Lyons. Ihm gefiel eine bereits erhältliche Raubkatzen-Kühlerfigur des Zubehörherstellers Desmo überhaupt nicht. Also beauftragte er den bekannten Automobilkünstler und Bildhauer F. Gordon Crosby mit einer eigenen Version. Ab 1938 konnten Jaguar-Kunden Crosbys Entwurf kaufen.
Was ist zu sehen?
Der Leaper stellt einen springenden Jaguar dar. (auf Deutsch: „Springer“ oder „Hüpfer“, Anm. d. Red.) Die Großkatze ist langgestreckt, der Kopf nach vorne gerichtet und der Körper vermittelt den Eindruck, mitten im Sprung zu sein. Damit passte die Figur perfekt zum sportlichen Image der Marke.
Wann und auf welchen Modellen?
Die erste Variante saß direkt auf dem Kühlerdeckel und blieb bis 1951 im Programm, zuletzt auf dem Jaguar Mark V. 1955 erschien eine überarbeitete Version für die Motorhaube. Sie wurde unter anderem auf Mark I, Mark II, Mark VIII, Mark IX, S-Type, 240, 340 und XK 150 angeboten. Eine kleinere Version erschien außerdem auf dem Mark X.
Woraus besteht die Figur und wie hat sie sich verändert?
Beim frühen Leaper waren die Hinterbeine stärker angewinkelt. Ab 1955 wurden sie nach hinten gestreckt, wodurch die Katze wesentlich dynamischer wirkte. Frühe Exemplare bestanden teilweise aus sogenanntem Pot Metal, später überwiegend aus Zinklegierungen mit glänzender Oberfläche.
Als erste bekannte Kühlerfigur eines Automobils wird häufig eine St.-Christophorus-Figur genannt, die der britische Automobilpionier John Walter Edward Douglas-Scott-Montagu, 2. Baron Montagu of Beaulieu, um 1896 an seinem frühen Daimler angebracht haben soll. Der heilige Christophorus galt als Schutzpatron der Reisenden. Die Figur war also zunächst eher Glücksbringer als Markenlogo.
3. Die große Vielfalt: Buick

Bildquelle: Steve Mann – stock.adobe.com
Wie entstand die Kühlerfigur?
Bei Buick gibt es eine Besonderheit: Die Marke hatte nicht eine einzige, dauerhaft verwendete Kühlerfigur. Vor allem zwischen den 1920er- und 1950er-Jahren wechselte Buick seine Motive regelmäßig und folgte dabei jeweils dem aktuellen Zeitgeschmack.
Was ist zu sehen?
1927 erschien beispielsweise eine Goddess, 1928 folgte eine veränderte Göttin mit geflügeltem Helm. 1929 und 1931 gab es Varianten des römischen Götterboten Merkur. 1932 und 1933 wurde wiederum eine nackte „Flying Lady“ beziehungsweise Goddess angeboten. Nach dem Krieg wurde es technischer: Berühmt wurde vor allem der sogenannte Bombsight, ein Kreis, der von einer langen Spitze durchstoßen wird.
Wann und auf welchen Modellen?
Die Figuren wechselten je nach Modelljahr und Baureihe. Die Goddess von 1927 wurde beispielsweise auf bestimmten Buick-Modellen mit 126-Zoll-Radstand sowie zwei offenen Modellen verwendet. Die verschiedenen Goddess- und Mercury-Figuren waren teilweise Sonderausstattung. Der Bombsight tauchte ab der unmittelbaren Nachkriegszeit auf zahlreichen Buicks auf, darunter Super und Roadmaster.
Woraus besteht die Figur und wie hat sie sich verändert?
In den 1920ern dominierten menschliche und mythologische Figuren. In den 1930ern wurden die Formen zunehmend Art déco und stromlinienförmig, nach dem Krieg bestimmten Flugzeuge und Technik das Design. Die frühe Goddess von 1927 bestand beispielsweise aus Zinkdruckguss mit Nickelbeschichtung.
Warum verschwanden viele Kühlerfiguren von unseren Autos? Der Hauptgrund war der Fußgängerschutz. Die oft starren, spitzen oder scharfkantigen Figuren konnten bei einem Zusammenstoß schwere Verletzungen verursachen. In Deutschland kam deshalb zum 1. April 1959 das Aus für starre Kühler- und Motorhaubenfiguren. Umklappbare Kühlerfiguren sind aber weiterhin erlaubt. Premium-Hersteller wie Mercedes-Benz und Rolls-Royce verbauen sie weiterhin.
4. Flying B: Bentley

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Wie entstand die Kühlerfigur?
Mitte der 1920er-Jahre konnten Besitzer der damals in Cricklewood gebauten Bentleys erstmals eine offiziell von Bentley genehmigte Kühlerfigur bestellen. Sie zeigte ein aufrecht stehendes B aus Messing mit zwei seitlich ausgebreiteten Flügeln. Der Entwurf wird F. Gordon Crosby zugeschrieben, der auch das Bentley-Flügellogo gestaltet hatte.
Was ist zu sehen?
Das „B“ steht natürlich für Bentley, während die Flügel Geschwindigkeit, Bewegung und Leistung symbolisieren. Anders als bei Rolls-Royce oder Cadillac handelt es sich damit nicht um eine Person oder ein Tier, sondern um ein dreidimensional gewordenes Markenlogo.
Wann und auf welchen Modellen?
Das erste Flying B wurde auf Bentleys der Cricklewood-Ära angeboten. In den 1930ern folgten verschiedene Varianten, unter anderem für die MR- und MX-Baureihen. Nach dem Zweiten Weltkrieg trugen zahlreiche in Crewe gebaute Bentleys eine kleinere Version. 2006 kehrte das Flying B versenkbar auf Azure, Arnage und Brooklands, später auch auf dem Mulsanne zurück. Seit 2019 besitzt auch der Flying Spur eine neue Interpretation.
Woraus besteht die Figur und wie hat sie sich verändert?
1933 beauftragte Bentley ausgerechnet Charles Sykes, den Schöpfer der Spirit of Ecstasy, mit einem moderneren Flying B. Sein erster Entwurf hatte nur einen Flügel, kam aber nicht gut an. Daraus entstand wieder die symmetrische zweiflügelige Variante. Das frühe Flying B bestand aus Messing; moderne Versionen werden aus hochwertigem Metall gefertigt und aufwendig poliert. Bei manchen alten Bentleys musste die Figur vor dem Öffnen der Motorhaube zur Seite gedreht werden. Wer daran nicht dachte, konnte mit seinem Flying B eine Beule in den eigenen Bentley drücken
5. Elefant: Bugatti

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Wie entstand die Kühlerfigur?
Der Bugatti-Elefant ist eng mit zwei Brüdern verbunden. Rembrandt Bugatti, der jüngere Bruder von Firmengründer Ettore Bugatti, war ein erfolgreicher Tierbildhauer. Ettore wählte dessen berühmten „Dancing Elephant“ später als Kühlerfigur für sein luxuriösestes Automobil.
Was ist zu sehen?
Der Elefant steht auf seinen Hinterbeinen, die Vorderbeine und der Rüssel sind nach vorne beziehungsweise oben gerichtet. Dadurch wirkt das massive Tier erstaunlich leicht und tatsächlich fast so, als würde es tanzen.
Wann und auf welchen Modellen?
Hier ist die Antwort besonders einfach: ausschließlich auf dem Bugatti Type 41 Royale, der ab 1926 entstand. Bugatti bezeichnet den Royale ausdrücklich als das einzige historische Modell der Marke, das überhaupt eine plastische Skulptur auf der Motorhaube trug.
Woraus besteht die Figur und wie hat sie sich verändert?
Anders als andere Kühlerfiguren durchlief der Elefant keine jahrzehntelange Modellpflege, weil er eng mit dem Royale verbunden blieb. Die Figur orientierte sich direkt an Rembrandt Bugattis Kunstwerk; Bugatti beschreibt die historische Kühlerfigur als silberne Elefantenskulptur. Vom gigantischen Royale entstanden lediglich sechs Exemplare. Damit dürfte der tanzende Elefant zu den exklusivsten seriennah verwendeten Kühlerfiguren überhaupt gehören.
Wie viele verschiedene Kühlerfiguren gab es eigentlich? Die Vielfalt war enorm: Das amerikanische Revs Institute spricht von mehr als 7.000 unterschiedlichen Automobil-Maskottchen, die vor allem zwischen den 1890er- und den 1930er-Jahren hergestellt wurden. Fast 500 Unternehmen sollen Kühlerfiguren entworfen, produziert oder verkauft haben.
6. Goddess: Cadillac

Bildquelle: WDnet Studio – stock.adobe.com
Wie entstand die Kühlerfigur?
Die Cadillac Goddess (auf Deutsch: „Göttin“; Anm. d. Red.) erschien erstmals 1930. Entworfen wurde die ursprüngliche Figur von William N. Schnell bei der Ternstedt Manufacturing Company, einer General-Motors-Tochter, die für viele Zier- und Metallteile zuständig war. Cadillac wollte damit Geschwindigkeit, Kraft und zugleich Eleganz darstellen.
Was ist zu sehen?
Eine stark nach vorne geneigte Frauenfigur, deren Arme, Körper und fließendes Gewand zu einer langen, stromlinienförmigen Silhouette verschmelzen. Gerade die späteren Varianten wirken fast so, als würde die Frau selbst durch die Luft fliegen.
Wann und auf welchen Modellen?
Die Goddess wurde ab 1930 für V8-, V12- und V16-Cadillacs angeboten. Die komplett neu gestaltete Version von 1933 war zunächst dem prestigeträchtigen Cadillac V16 vorbehalten. Ab 1934 erschienen entsprechende Varianten auch auf V8- und V12-Modellen. Von 1930 bis 1956 schmückte die Goddess zahlreiche Cadillac-Modelle; ein letztes klassisches Comeback gab es 1959 beim Eldorado Brougham.
Woraus besteht die Figur und wie hat sie sich verändert?
Die menschliche Figur wurde mit den Jahren zunehmend abstrakter und stromlinienförmiger. In den 1940er- und 1950er-Jahren griff das Design sogar Einflüsse aus Flugzeug- und Jetdesign auf. Historische Exemplare wurden als Metallguss mit glänzenden Oberflächen ausgeführt. 1930 hatte die Göttin noch tierische Konkurrenz: Cadillac führte gleichzeitig den Heron, einen Reiher, ein. Der Vogel verschwand jedoch bereits nach vier Jahren, während die Goddess jahrzehntelang blieb.
Was kostet eine Spirit of Ecstasy? Ganz billig ist die berühmte Rolls-Royce-Dame natürlich nicht. Einen guten Eindruck vom Ersatzteilpreis liefert ein unabhängiger Rolls-Royce-/Bentley-Teilehändler: Dort wird eine neue originale Spirit of Ecstasy für Phantom, Ghost, Wraith, Dawn und Cullinan aktuell mit rund 3.500 US-Dollar netto beziehungsweise gut 4.200 US-Dollar inklusive britischer Mehrwertsteuer angeboten.
7. Stern: Mercedes-Benz

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Wie entstand die Kühlerfigur?
Der dreizackige Mercedes-Stern geht auf die Daimler-Motoren-Gesellschaft zurück. Am 24. Juni 1909 beantragte Daimler Schutz für das Zeichen; 1911 wurde es in das Warenzeichenregister eingetragen. Die drei Spitzen symbolisierten den Anspruch, Daimler-Motoren zu Lande, zu Wasser und in der Luft einzusetzen.
Was ist zu sehen?
Anders als bei fast allen anderen Figuren besteht die Kühlerzierde lediglich aus einem dreizackigen Stern innerhalb eines Rings. Gerade diese extreme Schlichtheit machte ihn zu einem der bekanntesten Automobilsymbole überhaupt.
Wann und auf welchen Modellen?
Schon frühe Mercedes-Fahrzeuge erhielten dreidimensionale Sterne auf Kühler beziehungsweise Motorhaube. 1921 meldete Daimler den Stern im Ring ausdrücklich auch als dreidimensionale Kühlerfigur an. Später wurde der aufrecht stehende Stern vor allem zum Markenzeichen klassischer Mercedes-Limousinen – von historischen Vorkriegsmodellen über Ponton, Heckflosse und /8 bis hin zu zahlreichen E- und S-Klasse-Generationen.
Woraus besteht die Figur und wie hat sie sich verändert?
Anfangs stand der Stern teilweise noch ohne Ring auf dem Kühler. Ab 1916 kam der breite Kreis mit Mercedes-Schriftzug hinzu. Nach der Fusion von Daimler und Benz 1926 wurden Elemente des Mercedes-Sterns und des Benz-Lorbeerkranzes miteinander verbunden. Die Kühlerfigur selbst blieb dagegen erstaunlich schlicht und wurde über Jahrzehnte lediglich in Details verändert.
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Bildquelle Titelbild: KI-generiertes Bild, erstellt mit ChatGPT/DALL-E.

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