Es wird mal wieder Zeit für eine persönliche Auto-Geschichte hier auf Retromanie. Und dieses Mal stammt sie von Kai Danneberg aus Berlin. Es geht um die Restaurierung seines Porsche 911 SC Targa. Vorhang auf. Und wir erteilen direkt Kai das Wort… 🙂
Es gibt zwei Arten, einen alten Porsche zu kaufen. Die vernünftige: Man wartet auf ein gepflegtes Auto mit lückenloser Historie und bezahlt dafür genau das, was gepflegte Autos mit lückenloser Historie kosten. Und die andere: Man steht in einer Scheune irgendwo bei Frankfurt, sieht einen 911 SC Targa von 1983 mit Dreiliter-Motor und denkt sich: Das wird schon.
Ich habe mich für die zweite entschieden.

Der Targa vor der Restaurierung – noch ganz in schwarz. Bildquelle: Kai Danneberg
Nass, schwarz, glänzend – und das war schon das erste Problem:
Als ich ihn das erste Mal sah, hatte es geregnet. Der Wagen war klatschnass, und wer schon einmal ein nasses Auto begutachtet hat, weiß, wie wenig man dabei erkennt. Wasser bügelt alles glatt. Kratzer verschwinden, Wellen im Blech sieht man nicht, Spachtelstellen schon gar nicht. Man steht davor, es glänzt, und das Gehirn sagt: Sieht doch gut aus.
Der zweite Blick, später und im Trockenen, verriet dann, dass dieser Lack nie eine Kabine von innen gesehen hatte. Jemand hatte den Wagen mit der Dose überlackiert, vermutlich an einem Nachmittag, vermutlich mit den besten Absichten. Und wer einen Porsche mit der Dose lackiert, hat dafür meistens einen Grund.
Den habe ich gefunden.
Das Auto hatte einen Unfall gehabt. Repariert wurde er so, wie man es macht, wenn es schnell gehen und nichts kosten soll. Die Klimaanlage war komplett herausgerissen. Über die Jahre war der Wagen Schicht für Schicht auf billig getrimmt worden, bis am Ende das Schwarz drüberkam und die Vergangenheit zudeckte.
Wer so ein Auto kauft, kauft kein Auto. Er kauft ein Projekt mit vier Rädern und einer offenen Rechnung.
Porsche 911 SC Targa kurz eingeordnet
Der Porsche 911 SC wurde von 1978 bis 1983 gebaut. Der Wagen aus dieser Geschichte stammt also aus dem letzten Modelljahr der SC-Baureihe. Unter der Haube beziehungsweise im Heck arbeitet der klassische luftgekühlte 3,0-Liter-Sechszylinder-Boxermotor. Typisch für den Targa sind das herausnehmbare Dachteil und der markante Überrollbügel – eine ziemlich unverwechselbare Mischung aus offenem Fahren und klassischer 911-Silhouette. Das SC steht übrigens für „Super Carrera“.

Kais Targa in Vollnarkose beim Lackierer. Bildquelle: Kai Danneberg
15 Werkstätten. Und keine hat mich überzeugt…
Dann begann der Teil, über den selten jemand schreibt: die Suche nach jemandem, der das wirklich kann.
Ich bin 15 Werkstätten abgefahren. Hallen angesehen, Preise verglichen, Arbeiten begutachtet und immer wieder dieselbe Frage gestellt:
Wie würdet ihr das machen?
Die Antworten reichten von „einmal drüber, sieht doch keiner“ bis zu Summen, bei denen ich kurz überlegt habe, ob der Wagen in der Scheune nicht ganz gut aufgehoben war. Überzeugt hat mich keine.
Woran erkennt man eigentlich einen guten Lackierer? Nicht am Prospekt und nicht an der Halle. An dem Auto, das vor ihm steht.
Die Entscheidung für einen Lackierer fiel an der Zapfsäule…
Gefunden habe ich ihn dann, ohne zu suchen.
An einer Tankstelle stand ein Oldtimer, und der Lack war so gut, dass ich nicht weitergehen konnte. Keine Orangenhaut, keine Wolken, saubere Kanten. Ich habe den Fahrer angesprochen.
Es war der Mann, der ihn lackiert hatte.
Damit war die Sache entschieden. Nicht nach 15 Besichtigungen und wochenlangem Vergleichen, sondern nach zehn Minuten neben einer Zapfsäule.

Weitere Impressionen von der Restaurierung. Bildquelle: Kai Danneberg
Fünf Monate, in denen vom Auto nicht viel übrig war…
Was dann kam, war die Vollnarkose.
Der Targa wurde komplett zerlegt: Scheiben raus, Anbauteile ab, Innenausstattung raus, Stoßstangen weg, Lack runter. Auf den Fotos aus dieser Zeit erkennt man ihn kaum wieder. Mal steht er abgeklebt in braunem Papier in der Halle, mal in grauer Grundierung mit offenem Motorraum, mal ganz allein in der Lackierkabine und sieht dabei aus wie ein Patient kurz vor der OP.
Fünf Monate hat es gedauert.
Fünf Monate, in denen man als Besitzer vor allem eines lernt: Geduld ist eine Tugend, die man selbst mitbringen muss.
Lackiert wurde er dann fast im Originalton, in Goldmetallic. Nicht schwarz, nicht „so ähnlich“, sondern so nah am Original wie möglich.
Es ist erstaunlich, wie sehr die Farbe darüber entscheidet, ob ein Auto stimmig wirkt oder einfach nur bunt ist. Beim ersten Anblick in der Sonne war klar: Es wurde genau so, wie es gemeint war.
Das Schwarz war eine Verkleidung, das Gold ist der Wagen selbst.
Wenn aus Patina echter Restaurierungsbedarf wird
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So wunderschön erstrahlt der 911er in neuem altem Glanz. Bildquelle: Kai Danneberg
Warum der Targa heute nicht mehr bei mir steht:
Den Targa gibt es in meiner Garage nicht mehr.
Verkauft.
Und jetzt kommt der Grund, für den ich mich nicht entschuldige: Mein Dackel passte nicht rein.
Ein 911 Targa ist vieles, aber kein Hundeauto. Hinten ist eine Ablage, kein Rücksitz, und ein Dackel hat zwar kurze Beine, aber sehr klare Vorstellungen davon, wo er zu sitzen hat.
Nämlich so, dass er alles im Blick hat und im Zweifel jederzeit aussteigen kann.
Zwischen dem Auto meiner Träume und dem Hund, der bestimmt, wie der Tag abläuft, hat sich der Hund durchgesetzt.
Wie immer.
Was ich mitgenommen habe:
Erstens: Kauf kein Auto im Regen. Nasser Lack ist der beste Freund des Verkäufers. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, komm ein zweites Mal wieder – bei Trockenheit und Tageslicht.
Zweitens: Der Zustand, den man sieht, ist selten der Zustand, den man kauft. Besonders dann nicht, wenn jemand das Auto vorher „aufgefrischt“ hat.
Drittens: Bei solchen Arbeiten entscheidet der Mensch, nicht der Betrieb. Ich habe Hallen gesehen, die deutlich beeindruckender waren als die, in der mein Targa am Ende stand.
Und viertens: Man muss selbst hinfahren, 15 Mal, und danach trotzdem offen sein für den alles entscheidenden Zufall an der Tankstelle.

Wenn aus Autoliebe Kleidung wird. Bildquelle: True-Insights.de.
Wenn aus Oldtimer-Leidenschaft Kleidungsstücke werden…
Geblieben ist aus dieser Zeit mehr als ein paar Fotos.
Ich mache heute mit True Insights Shirts für Oldtimer-Fans, für Leute, die ihren Klassiker lieben und sich selbst nicht zu ernst nehmen, unter anderem mit dem Spruch „I’m Not Old – I’m Classic“.
Wer fünf Monate lang jede Woche in einer Werkstatt anruft und seinen Traumwagen am Ende wegen eines Dackels verkauft, entwickelt zwangsläufig einen gewissen Humor.
Anders hält man das nicht aus.
True Insights: Oldtimer-Humor zum Anziehen
True Insights ist ein kleines Label aus Berlin für Statement-Mode mit Humor. Es verbindet klassische Fahrzeuge mit einem Augenzwinkern. Im Shop finden Oldtimer-Fans unter anderem T-Shirts, Hoodies und Sweatshirts mit Motiven rund um automobile Klassiker. Statt Hochglanz-Nostalgie geht es vor allem um den Spaß an alten Autos. Und darum, das eigene Baujahr genauso gelassen zu sehen wie das des eigenen Fahrzeugs.
Mehr gibt es direkt bei True Insights.
Und ja, ich würde es wieder machen.
Nur vielleicht mit einem Auto, in das ein Hund passt.
Fünf vor zwölf – für immer.
Eine Sache habe ich behalten: die Uhr aus dem Armaturenbrett.
Sie liegt nicht in einer Kiste im Keller, sie steht bei mir im Wohnzimmer. Und sie zeigt fünf vor zwölf.
Seit Jahren.
Sie ist stehen geblieben und hat sich dafür den dramatischsten Moment ausgesucht, den eine Uhr wählen kann.
Manchmal denke ich, sie hat den Zustand des Autos beim Kauf ganz gut zusammengefasst.

Legendär seit eh und je. Die Erfolgsmarke Porsche. Bildquelle: Ryan – stock.adobe.com
Wir sind immer auf der Suche nach persönlichen Auto-Geschichten…
Haben auch Sie eine persönliche Autogeschichte, die für unser Oldtimerblog interessant sein könnte? Dann melden Sie sich bei uns.
Wir sind gespannt darauf, von Ihnen zu lesen oder hören. Psssst, haben Sie schon unser Reel zum Porsche 911 F-Modell bei den Classic Days Berlin gesehen?
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- Ford 12M P4: Muckelchen – meine große Autoliebe
Bei SJS Carstyling ist Ihr Klassiker in besten Händen
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Bildquelle Titelbild: Kai Danneberg

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