Der Mercedes /8, der BMW 5er (E12) oder die legendäre Pagode (Mercedes-Benz SL W 113) – alle diese Fahrzeuge überzeugen bis heute mit einem unverwechselbaren, zeitlosen Design. Erschaffen von Paul Bracq, dem wir nun auch bei uns auf Retromanie ein Porträt widmen. Nach seiner Vita und den wichtigsten Fahrzeugdesigns blicken wir auf fünf kuriose Fakten aus seinem Leben, die Sie vielleicht noch nicht kannten. Viel Spaß beim Lesen und Erkunden!
Eine kurze Biografie von Paul Bracq
Der am 13. Dezember 1933 in Bordeaux geborene Paul Bracq zählt zu den bedeutendsten Automobildesignern des 20. Jahrhunderts. Nach seiner Ausbildung an der Pariser École Boulle (eine renommierte staatliche Hochschule für Kunst in Frankreich und Europa) begann er 1957 bei Mercedes-Benz in Sindelfingen.
Nach einem Zwischenstopp beim französischen Unternehmen Brissonneau & Lotz (Schienenfahrzeug- und Autobau), wo er unter anderem am Design des Hochgeschwindigkeitszugs TGV beteiligt war, wechselte er 1970 als Designchef zu BMW. Hier entstanden unter seiner Leitung wichtige Entwürfe für die 3er-, 5er- und 7er-Reihe sowie die futuristische BMW-Turbo-Studie. Ab 1974 gestaltete er bei Peugeot die Innenräume zahlreicher Modelle, darunter den beliebten Peugeot 205. Nach seiner Pensionierung widmete sich Bracq verstärkt der Malerei und stellte seine Werke international aus.

Das Meisterwerk von Paul Bracq: SL Pagode. KI-generiertes / verändertes Bild, erstellt mit OpenAI ChatGPT / DALL-E für Retromanie.
Immer auf der Suche nach der perfekten Form
Was macht ein Auto wirklich schön? Für Paul Bracq lag die Antwort nicht in übertriebenen Verzierungen oder modischen Spielereien. Vielmehr setzte er auf klare Linien, harmonische Proportionen und eine Eleganz, die auch Jahrzehnte später nichts von ihrer Wirkung verliert. Form und Funktion sollten dabei stets eine harmonische Einheit bilden. Bracq beherrschte es perfekt, jedem Fahrzeug einen unverwechselbaren Charakter zu verleihen – ohne dabei aufdringlich zu wirken.
Paul Bracqs legendärste Fahrzeugdesigns
| Modell | Baujahr ab | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Mercedes-Benz 600 (W 100) | 1963 | Luxuriöse Staatslimousine mit V8-Motor und aufwendiger Komforthydraulik. |
| Mercedes-Benz Pagode (W 113) | 1963 | Legendärer SL-Roadster mit charakteristischem, nach innen gewölbtem Hardtop. |
| Mercedes-Benz W 108/109 | 1965 | Elegante Oberklasse mit klaren Linien, W 109 mit Luftfederung. |
| Mercedes-Benz /8 (W 114/115) | 1968 | Robuste Mittelklasse, berühmt für Langlebigkeit und zeitloses Design. |
| BMW 5er (E12) | 1972 | Erster 5er mit markanten Doppelscheinwerfern und sportlicher Linienführung. |
| BMW Turbo (E25) | 1972 | Futuristische Studie mit Flügeltüren, Keilform und innovativer Sicherheitstechnik. |
| BMW 3er (E21) | 1975 | Erster 3er, ausschließlich zweitürig, mit sportlichem Charakter. |
| BMW 6er (E24) | 1976 | Elegantes Coupé mit langer Motorhaube und berühmter Haifischnase. |
| BMW 7er (E23) | 1977 | Erste 7er-Generation, die Luxus und sportlichen Charakter verband. |
1. Traumjob dank Kundendienst
Während seines Militärdienstes im Schwarzwald (unter anderem in Lahr) brachte Paul Bracq den Mercedes-Dienstwagen eines französischen Generals zur Wartung nach Stuttgart. Die Gelegenheit nutzte er, um sich beim Hersteller ein paar Rennsportplakate zu besorgen. Doch Bracq hatte noch etwas dabei: seine eigenen Automobilzeichnungen! Die beeindruckten den damaligen Daimler-Benz-Chefentwickler Karl Wilfert so sehr, dass er dem jungen Franzosen eine Stelle anbot. Allerdings musste Bracq zunächst seinen Militärdienst beenden. Mercedes wartete tatsächlich auf ihn. Am 1. März 1957 begann er schließlich in Sindelfingen, für gerade einmal 500 D-Mark Monatsgehalt.
2. Sicherheit + Design = Pagode
Das nach innen gewölbte Dach der Pagode geht auf einen Sicherheitsgedanken zurück. Der damalige Leiter der Sicherheitsentwicklung bei Mercedes-Benz, Béla Barényi, erkannte, dass die außergewöhnliche Form besonders stabil sein kann. Paul Bracq machte daraus das unverwechselbare Hardtop des Mercedes 230 SL, der 1963 vorgestellt wurde. Die ungewöhnliche Dachform erinnerte an asiatische Tempelbauten. Der Spitzname „Pagode“ soll aber erstmals in Italien aufgekommen sein. Aerodynamisch war das konkave Dach keineswegs optimal. Trotzdem wurde es zum Markenzeichen des eleganten Roadsters. Bracq selbst bezeichnete das Design der Pagode noch Jahrzehnte später als „perfekt“.

Die École Boulle im 12. Pariser Arrondissement. Bildquelle: LPLT (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:École_Boulle.JPG), „École Boulle“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode
3. Als die Zukunft in München anklopfte
Ein BMW mit Flügeltüren? Den gab es tatsächlich schon 1972! Für die Olympischen Spiele in München entwarf Paul Bracq den futuristischen BMW Turbo (E25). Der spektakuläre Sportwagen mit Mittelmotor sah nicht nur aus wie ein Raumschiff, sondern steckte voller technischer Überraschungen. Dazu gehörten ABS, eine radarbasierte Abstandswarnung und eine ungewöhnliche Sicherheitseinrichtung: Ohne angelegten Sicherheitsgurt ließ sich der Wagen nicht starten! Nur zwei Exemplare dieser außergewöhnlichen Studie wurden gebaut. Trotzdem hinterließ der Turbo deutliche Spuren in der Automobilgeschichte. Sein Design beeinflusste den legendären BMW M1, der 1978 vorgestellt wurde. Bracq war seiner Zeit also einige Jahre voraus!
4. Innenleben des Peugeot 205
Nach seinen Jahren bei BMW wechselte Paul Bracq 1974 zum französischen Hersteller Peugeot. Dort übernahm er die Leitung des Innenraumdesigns. Auch das Cockpit des 1983 vorgestellten Peugeot 205 entstand unter seiner Verantwortung. Während das äußere Erscheinungsbild des Kleinwagens andere Designer prägten, beschäftigte sich Bracqs Team mit Armaturenbrett, Bedienelementen und Innenraumgestaltung. Dabei blieb es nicht. Bis 1996 war der Franzose für zahlreiche Peugeot-Interieurs verantwortlich, darunter die Modelle 305, 505, 405 und 106.
5. Relevant bis heute
Paul Bracq war und ist in erster Linie ein leidenschaftlicher Zeichner, Maler und Bildhauer. Seine künstlerischen Arbeiten wurden in Museen und Ausstellungen auf der ganzen Welt gezeigt, unter anderem in New York, Paris, München und Helsinki. Auch im Ruhestand beschäftigte sich Bracq intensiv mit historischen Fahrzeugen. Anhand alter Schwarz-Weiß-Fotografien rekonstruierte er beispielsweise Zeichnungen des Bugatti Atlantic von 1938 und anderer legendärer Automobile. Seine außergewöhnliche Lebensleistung wurde schließlich am 24. September 2024 gewürdigt. An diesem Tag nahm ihn der internationale Oldtimerverband FIVA in seine Heritage Hall of Fame auf. Die Ehrung fand in seinem Heimatort Bordeaux statt.

Das Instrumentendisplay eines Peugeot 205 Rallye Baujahr 1991. Bildquelle: Josh Bryan – stock.adobe.com
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Bildquelle Titelbild: KI-generiertes / verändertes Bild, erstellt mit OpenAI ChatGPT / DALL-E für Retromanie.

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